Kommt dieses Hochhaus als nächstes? Blick auf den Entwurf der Architekten Sauerbruch & Hutton für den geplanten Turm von Covivio neben dem Hotel Park Inn.
Foto: Sauerbruch Hutton

Berlin, Alexanderplatz Mehr als 25 Jahre hat es gedauert, bis mit dem russischen Investor Monarch der erste Grundstückseigentümer Ende 2019 die Bauarbeiten für eines der geplanten Hochhäuser am Alexanderplatz gestartet hat. Doch nun könnte es bald Schlag auf Schlag gehen. Die Grundstückseigentümer am Alex treiben die Planungen für weitere Hochhäuser voran. Bis zu sechs weitere Türme könnten in den nächsten Jahren entstehen.

„Ich glaube, dass es am Alexanderplatz jetzt richtig losgeht“, sagt Rüdiger Thräne vom Maklerhaus Jones Lang Lasalle (JLL). Die Büromieten seien in Berlin aufgrund der starken Nachfrage so gestiegen, dass sich der Bau eines Hochhauses jetzt lohne. „Das war lange nicht denkbar“, sagt Thräne. Hinzu komme, dass die Flächen am Alex jetzt in der Hand von sehr erfahrenen Projektentwicklern seien. Diese wüssten, wie solche Projekte zu realisieren sind.

Am weitesten seien die Neubau-Pläne von Covivio, sagt Rüdiger Thräne. Covivio besitzt das Grundstück mit dem Hotel Park Inn und die benachbarten Flächen. Dort könnten zwei Hochhäuser entstehen. Für eines liegt bereits ein preisgekrönter Entwurf des Architekturbüros Sauerbruch & Hutton vor.  Es plant einen Büroturm sowie in einem Block am Fuß des Hochhauses Wohnungen und Geschäfte.

Planung der TLG Immobilien für zwei Türme und drei Blöcke am Alex.
Foto:  TLG Immobilien

Baubeginn Ende 2020

Der Covivio-Turm soll nicht 150 Meter hoch werden wie der Wohn-Tower des russischen Investors Monarch, sondern nur 130 Meter in den Himmel ragen. Das ist die neue Höhe, auf die Stadtentwicklungssenatorin Katrin Lompscher (Linke) die Türme am Alex schrumpfen lassen möchte – um zu verhindern, dass der Blick auf den Fernsehturm verstellt wird. Covivio hat den Bauantrag noch im Dezember 2019 eingereicht.

„Aktuell finden bauvorbereitende Maßnahmen statt“, teilte das Unternehmen auf Anfrage mit. Der Baubeginn sei für Ende 2020 geplant, die Fertigstellung für 2024/2025 vorgesehen. Mit dem zweiten Hochhaus von Covivio ist erst später zu rechnen. Es soll am Alexanderplatz/Ecke Karl-Liebknecht-Straße entstehen. Die österreichische Signa will einen weiteren Turm neben dem Kaufhof an der Karl-Liebknecht-Straße bauen. Ab Mitte dieses Jahres sollen nach Angaben der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung die Wettbewerbe zur Gestaltung der beiden Hochhäuser starten.

Was bisher wenig beachtet wurde, sind die Pläne der TLG Immobilien. Sie will an der Alexanderstraße bis zur Ecke Karl-Liebknecht-Straße zwei Hochhäuser und drei große Blöcke errichten. Sie sollen an Stelle des ehemaligen Hauses der Elektroindustrie entstehen, das dafür abgerissen werden muss. „Wir sind derzeit in Detailabsprachen mit Land und Bezirk“, sagt TLG-Sprecher Christoph Wilhelm. „An einem Baustart 2022 halten wir weiterhin fest.“ Das Investitionsvolumen ist gigantisch.

Der geplante 150 Meter hohe Turm des US-Investors Hines.
Foto: Frank Ghery

Vielversprechendes Investitionsvolumen

„Wir gehen von rund einer Milliarde Euro aus“, sagt Wilhelm. „Die Vermarktung ist noch nicht gestartet, es gibt aber bereits Interessenbekundungen“, sagt er. Die Unternehmensstruktur der TLG Immobilien ist gerade im Umbruch, was das Projekt jedoch eher befördern könnte. Die Aktionäre der TLG stimmen derzeit über einen Zusammenschluss mit der Aroundtown ab.

Kommt der Zusammenschluss zustande, werde die Größe des dann fusionierten Unternehmens „es viel einfacher ermöglichen, Projekte in dieser Größenordnung zu realisieren“, sagt TLG-Immobilien-Sprecher Wilhelm. Noch offen ist, was aus dem geplanten Projekt des US-Investors Hines für einen 150 Meter hohen Turm neben dem Haus mit dem Elektronikmarkt Saturn wird. Die Arbeiten am Bebauungsplan ruhen, bis sich Hines und die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) auf eine Vereinbarung zum Schutz des Betriebs auf der U-Bahn-Linie 5 verständigt haben.

In Bau: Der 150 Meter hohe Turm von Monarch neben dem Alexa.
Foto: O&O Baukunst / finest images

Grund: Das Hochhaus von Hines soll auf einem aus dem Jahr 1930 stammenden Fundamentblock errichtet werden. Durch diesen Block verläuft der Tunnel der U-Bahn-Linie 5. Zwar haben sich Hines und BVG verständigt, dass es technische Lösungen zur Absicherung des U-Bahnverkehrs gibt, doch will die Stadtentwicklungsverwaltung das Bebauungsplanverfahren erst wieder aufnehmen, wenn die Technische Aufsichtsbehörde ihr Okay gegeben hat.

Mehr Aufenthaltsqualität am Alex

So hieß es jedenfalls noch zuletzt. In Kreisen der Linken würde man auf dieses Hochhaus gerne verzichten. Anders der Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD). Er erklärte beim Baubeginn für den Mo-narch-Turm, er hoffe, dass dies der Startschuss für weitere Hochhäuser am Alex sei – und signalisierte damit, dass er die Hochhausplanung nicht infrage stellt.

Stadtentwicklungssenatorin Lompscher, die sich für eine Erhöhung des Wohnanteils am Alex einsetzt, zeigt sich zufrieden. „Der Alexanderplatz ist nach vielen Jahren des Stillstandes wieder in den Fokus der Planung gerückt“, sagt sie. „Eine gemischte Nutzung in den neuen Gebäuden – bestehend aus Freizeit-, Wohn- und Büronutzung – sorgt dafür, dass auch an diesem sehr urbanen Ort echte Aufenthaltsqualität entstehen wird.“