„Die Stadt kann sich auf uns verlassen“, so der Chef der Berliner Sparkasse Johannes Evers.
Foto: dpa/Arne Bänsch

BerlinZwei Drittel der Filialen sind geschlossen, mehr als die Hälfte der etwa 3500 Sparkassen-Beschäftigten arbeiten im Homeoffice. Doch das Bankgeschäft läuft. „Wir arbeiten im Krisenmodus“, sagt Johannes Evers. „Aber die Stadt kann sich auf uns verlassen.“ Große Worte vom Chef der Berliner Sparkasse.

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Tatsächlich aber hängt von den Banken und Sparkassen in diesen Zeiten viel ab. Denn wer in finanzielle Schieflage geraten ist, dem muss schnell geholfen werden. Zeit ist der Faktor, der über die Zukunft von Unternehmen und Existenzen entscheidet. Die Berliner Sparkasse ist dabei ein Schwergewicht. Allein im Firmenkundengeschäft betreut die Bank in Berlin knapp 88.000 Kunden. Ihnen hat die Sparkasse als Hausbank insgesamt 18,1 Milliarden Euro geliehen.

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Firmenkredite: Tilgung aussetzen

Der Sparkassenchef sieht sein Unternehmen nun mehr denn je in einer aktiven Rolle. Mehr als die Hälfte der Kunden sei bereits offensiv angesprochen worden. Direkte Hilfe sei das „Gebot der Stunde“, sagt Evers und verweist darauf, dass man schon vor zwei Wochen das Angebot an Unternehmen, Selbstständige sowie Frei- und Heilberufler beschlossen habe, die Tilgung laufender Firmenkredite für bis zu sechs Monate auszusetzen. Dafür seien bislang mehr als 2000 Anträge von Firmenkunden eingegangen. „Allen wurde entsprochen.“

Darüber hinaus berät die Berliner Sparkasse zu den von Bund und Land aufgelegten Liquiditäts- und Kredithilfen. Aktuell lägen 1200 Anträge auf KfW-Kredite mit einem Gesamtvolumen von etwa 400 Millionen Euro vor. Diese würden nun geprüft wie jede Darlehensanfrage. Denn wenngleich die KfW das Risiko zu 90 Prozent übernimmt, so bleibt das zehnprozentige Restrisiko bei der Sparkasse. Wie lange eine nötige Kreditprüfung dauert, will Evers nicht sagen.

Die Bank

Gewinn: Die Berliner Sparkasse hat im Geschäftsjahr 2019 insgesamt 103 Millionen Euro verdient. Das waren fünf Millionen Euro mehr als erwartet wurden. Maßgeblichen Anteil daran hatte die Immobilienfinanzierung.

Kunden: Das Geldinstitut betreut mit seinen etwa 3500 Beschäftigten in Berlin rund 1,6 Millionen Privatkunden sowie knapp 88.000 Firmenkunden. Insgesamt werden etwa 1,3 Millionen Privatgirokonten geführt.

Automaten:
Stadtweit betreibt die Sparkasse mehr als 600 Geldautomaten. Von den etwa 80 Filialen sind die meisten inzwischen geschlossen. Für Privatkunden sind noch 29, für Firmenkunden noch zwölf geöffnet.

Auf zunehmende Nachfrage vorbereitet

Aber auch für Privatkredite kann inzwischen eine Tilgungspause beantragt werden. Seit dem vergangenen Mittwoch ist es gesetzlich geregelt, dass Ratenzahlungen für drei Monate ausgesetzt werden können. Bei der Berliner Sparkasse hat man dafür aber noch keine besondere Nachfrage ausgemacht. Es gebe allenfalls einzelne Anträge, sagt Johannes Evers. Aber die Sparkasse sei auf eine zunehmende Nachfrage vorbereitet.

Dass es dafür allen Grund gibt, zeigt allein die enorme Zunahme von Kurzarbeit in dieser Stadt. Hatten am vorvergangenen Freitag noch etwa 4500 Berliner Unternehmen Kurzarbeit für ihre Beschäftigten beantragt, so waren es eine Woche später bereits mehr als 22.600 Betriebe. Und Kurzarbeit bedeutet, dass sich ein Haushaltseinkommen um wenigstens 33 Prozent reduziert.

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Verbraucherschützer warnen

Insbesondere bei Baudarlehen könnten Kreditnehmer dadurch schnell in Zahlungsschwierigkeiten geraten. Über die Sparkasse haben insgesamt 17.000 Berliner ihren Haus- oder Wohnungskauf finanziert. Allein 2019 kamen 2800 neue Kunden hinzu. Insgesamt beträgt das Baukreditvolumen über 3,66 Milliarden Euro.
Damit sieht man bei der Sparkasse nun auch den vorläufigen Höhepunkt der Baufinanzierung erreicht.

Die Nachfrage nach Baudarlehen sei zurückgegangen, heißt es. Evers rechnet zudem damit, dass es auch in diesem Bereich mitunter bei dreimonatigen Tilgungspausen nicht bleiben wird. Sollte das der Fall sein, werde man über eine weitere Pause reden müssen, sagt der Sparkassenchef, während Verbraucherschützer bereits davor warnen, dass Kreditnehmern schlechtere Konditionen angeboten werden.

„Wir sind solide aufgestellt“

In jedem Fall wird man in der Sparkassen-Zentrale am Alexanderplatz vorläufig auf Rückzahlungen in beträchtlichem Umfang verzichten müssen, wofür ein „kleiner dreistelliger Millionenbetrag“ zurückgestellt wurde. „Wir sind solide aufgestellt“, sagt Evers. 103 Millionen Euro hat die Berliner Sparkasse im vergangenen Jahr verdient, fünf Millionen mehr als erwartet. Trotz eines nochmals intensiveren Wettbewerbs habe die Berliner Sparkasse ihre „Position als Marktführer behauptet“.

Und 2020? Dafür seien seriöse Prognosen jetzt nicht möglich, sagt Evers. In einem ist er sich aber sicher: „Kreditausfälle werden zunehmen.“