Um kurz vor elf am Vormittag stehen sie noch alle friedlich und lächelnd zusammen. Auf der Bühne im großen Versammlungssaal des Hotels Estrel haben sich sechs Frauen und sechs Männer zu Jan Stöß gestellt, dem Parteivorsitzenden der Berliner SPD. Es sind die zwölf Wahlkreiskandidaten der SPD von Spandau über Mitte bis nach Treptow-Köpenick. Gerade eben lief ein aufwändig produzierter Kandidaten-Imagefilm auf den beiden großen Leinwänden neben der breiten Bühne, wo das Präsidium, der Parteivorstand und auch der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit vor stilisierter lila Stadtsilhouette Platz genommen haben. Geigenteppiche und Kuschelklavier umhüllen die mehr als 200 Genossinnen und Genossen im Saal, als der Film läuft.

Es seien alles "tolle Kandidaten", jubelt Parteichef Stöß. Er verteilt Wangenküsschen an die Damen, er klopft Männerrücken. Für einen Moment entsteht der Eindruck, den sich der Parteichef in seiner Rede kurz zuvor gewünscht hat: ein "Signal der Geschlossenheit". Als noch Kanzlerkandidat Peer Steinbrück in den Saal tritt, um eine Rede zu halten, begrüßt ihn Stöß launig als "unseren 13. Kandidaten". Steinbrück ist ganz gut in Form, eine wirksame Mischung aus bissig und verbissen, er ruft die Sozialdemokraten im Saal dazu auf, die Wähler aus dem "Wartesaal" zu holen, die die SPD in den vergangen Jahren verloren hat. "Die sind noch abzuholen." Das kommt an, die Hauptstadt-Genossen applaudieren stehend.

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