Der alte backsteinfarbene Schornstein steht noch, viele der Werkshallen sind jedoch abgerissen. Auf dem früheren Areal des Zigarettenkonzerns Reemtsma an der Mecklenburgischen Straße in Schmargendorf soll in den nächsten Jahren ein neues Gewerbequartier entstehen. Die Wohnkompanie Berlin, eine Beteiligungsgesellschaft der aus der Baubranche kommenden Zech Group, will rund eine Milliarde Euro auf dem rund 74.000 Quadratmeter großen Areal investieren. Name des neuen Quartiers: GoWest.

„Wir kommen mit der Baustelle gut voran“, sagt Stephan Allner, Geschäftsführer der Wohnkompanie. „Bisher lag der Fokus auf dem Abriss und der Sanierung einiger Bestandsgebäude. In Kürze können wir dann mit dem Tiefbau starten, denn das Areal soll ja unterirdisch erschlossen werden und oberirdisch nur für Fußgänger zugänglich sein.“

Geplant ist, dass in dem Quartier rund 185.000 Quadratmeter Gewerbefläche entstehen, die sich auf 13 Gebäude verteilen. Vom Handwerkerhof über moderne Büroflächen und Labore bis hin zu einem Vier-Sterne-Kongresshotel reicht das Nutzungsspektrum. Auch ein Rechenzentrum sowie kleinere Nahversorger wie Cafés und Kioske sind geplant. Wohnungen werden auf dem Areal neben der Stadtautobahn nicht gebaut, da die Fläche seit jeher vom Bezirk für eine reine Gewerbenutzung ausgewiesen ist.

Der markante rote Schornstein bleibt erhalten

Nachdem das Gelände zwischenzeitlich schon von Filmemachern, Schauspielern und Street-Art-Künstlern genutzt wurde, sollen Kunst und Kultur hier auch nach der Neugestaltung einen festen Platz finden. Mittelpunkt des Quartiers soll ein Stadtplatz mit Kino und Theaterbühne werden, die von der bereits vor Ort ansässigen Filmschauspielschule Berlin betrieben werden soll. Der rote Schornstein, der früher zur Energiezentrale gehörte, bleibt erhalten. Er solle auch künftig die Nachbarbauten überragen und „der Orientierung am zukünftigen Marktplatz“ dienen, sagt Allner.

Während früher große Produktionshallen das Bild der Zigarettenfabrik bestimmten, knüpft die aktuelle Planung an die klassische Berliner Gewerbe­hof-Architektur an. Wer künftig durch das Quartier läuft, kann sich dabei von Hof zu Hof bewegen. Autos werden dabei nicht stören. Denn das Areal soll oberirdisch vom Autoverkehr freigehalten werden, alle Gebäude werden über eine Tief­garage angefahren.

Christoph Kohl Architekten
Zukunftsvision: Blick auf den geplanten Marktplatz.

Die Fassaden der Gebäude werden mit wenigen Ausnahmen in Ziegeln errichtet. Ein Bürohaus soll ganz in Holzbauweise entstehen, einige der Fensterfronten mit Photovoltaikelemente ausgestattet werden und Strom produzieren können. Auf den Hausdächern soll Platz für städtisches Gärtnern sein, auch Urban Gardening genannt. Eine 60 Zentimeter dicke Erdsubstratschicht auf den Dächern dient dazu, Regenwasser zu speichern und ökologisch versickern zu lassen. Zwei Zisternen speichern das Regenwasser und geben es in Trockenperioden wieder an die Grünflächen ab.

Bauherr lädt an diesem Freitag zum Frühlingsfest

„Da der Hochbau noch nicht gestartet ist, können wir die steigenden Preise im Bausektor durch geschickte Anpassungen der Planungen noch etwas abdämpfen“, sagt Allner. „Aber natürlich kommen auch wir nicht um die gestiegenen Rohstoff- und Energiepreise herum.“ Der erste Bauabschnitt werde voraussichtlich im Frühjahr 2025 abgeschlossen sein, die Fertigstellung des gesamten Quartiers werde für 2028 anvisiert.

Die Reemtsma-Zigarettenfabrik war im Jahr 2012 geschlossen worden, weil die Produktion nach Polen und Niedersachsen verlagert wurde. Ein paar Jahre danach erwarb die Wohnkompanie die leer stehenden Industriegebäude. An deren Stelle sollte einst ein Möbelmarkt entstehen, was jedoch nicht genehmigungsfähig war.

Frühlingsfest der Wohnkompanie auf dem Reemtsma-Areal

An diesem Freitag öffnet die Wohnkompanie die Tore zu dem einst hermetisch abgeriegelten Areal zu einem Frühlingsfest. Von 16.30 bis 20.30 Uhr können sich Besucher über die Fortschritte des Quartiers informieren. Das Fest verspricht auch interessante Rückblicke in die Zeit der Zigarettenfabrik.

So ist ein Flohmarkt mit Gegenständen aus der alten Reemtsma-Fabrik geplant. Der Erlös soll den Menschen in der Ukraine zugute kommen. Studierende der bereits im Quartier beheimateten Filmschauspielschule Berlin stellen bei dem Fest ihr Talent und Können unter Beweis. Außerdem soll darüber informiert werden, wie „Vertical Gardening“ an der Fassade und im Innern von Bürogebäuden funktionieren kann.