Berlin - An der Rheinbabenallee in Schmargendorf steht Jessica schon am Straßenrand. Bald wird man sie auch anderswo in Berlin finden. Denn im Juni beginnt die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung damit, rund 8000 Gasleuchten abzubauen. Sie werden durch Leuchtstofflampen vom Typ Jessica 800 ersetzt, die von Se’lux in Marienfelde hergestellt werden. Für die traditionsreiche Berliner Gasbeleuchtung ist das der Anfang vom Ende. Von den 43.500 Gasleuchten sollen in den kommenden Jahren 95 Prozent auf dem Schrott landen – trotz Protesten.

Ein leises Zischen ist zu hören, dann leuchtet ein warmes gelbliches Licht auf. So ist es bei Einbruch der Dunkelheit bis heute an vielen Straßen im Westen der Stadt. Nirgendwo auf der Welt sind so viele Gasleuchten in Betrieb wie in Berlin. Damit verfügt diese Stadt über ein einzigartiges technisches Denkmal, heißt es bei der Baukammer, dem Verein „Denk mal an Berlin“ und anderen Gaslicht-Fans. Seine Weiterexistenz ist „von einer weltweiten kulturellen und historischen Bedeutung“, meint Denis de Kergorlay, Präsident des europäischen Denkmalschutzverbands Europa Nostra.

Trotzdem will der Senat fast alle Gaslaternen durch elektrische Leuchten ersetzen. „Mit den 8000 Gasreihenleuchten fangen wir im Juni an“, sagt Verkehrs-Staatssekretär Christian Gaebler (SPD). Bei diesen Lampen sind die Glühkörper in einer Reihe angeordnet. In diesem Jahr will der Senat an 61 Straßen 1835 Gasreihenleuchten abbauen und Lampen vom Typ Jessica 800 aufstellen – vor allem in Lichterfelde. 2016 soll es in Berlin so gut wie keine Gasreihenleuchten mehr geben. Der Senat hat 29,5 Millionen Euro für die Umrüstung eingeplant. Nur in wenigen denkmalgeschützten Bereichen lässt der Senat die Reihenleuchten weiter glimmen – etwa in der Weißen Stadt in Reinickendorf, in der Gartenstadt Frohnau, am Klausenerplatz und am Rüdesheimer Platz.

2016 will der Senat dann daran gehen, die mehr als 30 700 Gasaufsatzleuchten (erkennbar an ihrem runden Querschnitt) abzubauen. Sie werden durch LED-Leuchten ersetzt – falls es diese dann endlich zu erschwinglichen Preisen gibt.

Katastrophale Ökobilanz

Die Öko- und ökonomische Bilanz des Gaslichts sei katastrophal, so Gaebler. Die 8000 Reihenleuchten benötigen pro Jahr 48,7 Gigawattstunden Energie, genauso viele elektrische Lampen brauchen 1,4 Gigawattstunden. „Bereits diese Umrüstung erspart Berlin jährlich 9 200 Tonnen Kohlendioxid und mehr als drei Millionen Euro Betriebskosten“, so der Staatssekretär. Jedes Jahr muss der Senat für 1,2 Millionen Euro 240.000 Glühkörper kaufen, der einzige Lieferant ist in Indien. Es wäre „falsch verstandener Denkmalschutz“, alle Leuchten zu erhalten – „nur weil wir sie schön finden“. Das Gaslicht belaste die Klimabilanz und die Steuerzahler, so Gaebler: „Das will ich nicht verantworten.“