Menschen sitzen in Cafés und Restaurants unter Sonnenschirmen, Passanten flanieren auf einer Uferpromenade. Hinter ihnen ragt in moderner Architektur der Ostflügel des neuen Berliner Schlosses (Humboldt-Forum) empor. Schloss-Architekt Franco Stella hat jetzt neue Visualisierungen erarbeitet, in denen er die vielfach kritisierte Ostfassade des Humboldt-Forums im Zusammenspiel mit der geplanten Gestaltung der Umgebung präsentiert.

Seine Botschaft: Hier ist ein neuer attraktiver Ort mit direktem Zugang zum Schloss geplant. „Erstmalig entsteht nach Osten hin ein öffentlicher Stadtplatz, zu dem sich das Gebäude mit einem Haupteingang öffnet“, sagte Stella im Gespräch mit der Berliner Zeitung. Das von ihm entworfene Schloss werde an allen Seiten durch Portale geöffnet sein.

Stella reagiert damit auf Kritiker seines Entwurfs, die sich in der „Bürgerinitiative Offenes Schloss“ organisiert haben und einen Verzicht auf den modernen Ostflügel fordern. Erst am Mittwochabend demonstrierte die Initiative mit 30 bis 40 Mitstreitern vor Ort für ihre Idee. Der Berliner Architekt Stephan Braunfels hatte die Diskussion im vergangenen Jahr angestoßen, als er einen Entwurf ohne Ostflügel präsentierte, in dem sich das Schloss als dreiflüglige Anlage zur Spree und zum Fernsehturm hin öffnet.

Stella bekräftigte jetzt, dass er von der Idee nicht viel hält. Er begründet das unter anderem damit, dass die moderne Gestaltung nur den Teil des Ostflügels ausmache, der nach außen sichtbar ist. Auf der Seite zum innenliegenden Schlüterhof sei hingegen die Rekonstruktion der Barockfassaden geplant. Selbst bei einem Verzicht auf den modernen Teil des Ostflügels würde sich das Schloss also nicht nach außen öffnen, sondern nur „die Rückseite des rekonstruierten östlichen Hofflügels in Erscheinung treten“, so Stella. Also eine triste Brandwand.

In Schlüters Tradition

Bei der Gestaltung des Ostflügels sieht sich Stella ganz in der Tradition des früheren Schlossbaumeisters Andreas Schlüter, der die Hohenzollernresidenz einst zu einer barocken Anlage umgestaltete. Schlüter habe seinerzeit dafür plädiert, das Schloss nach dem Vorbild italienischer Paläste der Renaissance mit vier Flügeln umzugestalten, sagte Stella. Bis dahin war die Ostseite des Schlosses geprägt durch ältere Bauten aus der Zeit der brandenburgischen Kurfürsten. Realisiert wurde Schlüters Idee für die Ostseite jedoch nie.

„Der neue Ostflügel verwirklicht die Schlüter-Idee des Schlosses als stringente Vierflügelanlage und fügt sich deswegen in die Kubatur des von ihm entworfenen Anbaus ein“, argumentiert Stella. Die Fassadenöffnungen des modernen Ostflügels bezögen sich in Größe und Rhythmus auf den Schlüterhof, so Stella. Für den italienischen Architekten ist Offenheit besonders wichtig. Stella betont, dass die Fenster des Ostflügels nicht wie normale Hausfenster wirken werden, sondern „wie Portale, die für die Offenheit des Bauwerks“ stehen.

Während die Bauarbeiten für den Ostflügel bereits im ersten Stock angekommen sind, setzt sich die Bürgerinitiative (BI) weiter für den Verzicht auf das Bauteil ein. „Um Korrekturen vorzunehmen, ist es nie zu spät“, sagte BI-Vertreter Matthias Dittmer.