Wie romantisch! Türme, Hauben, Erker, Nischen, mit Efeu bewachsene Wände – so sah die Ostseite des Berliner Schlosses einst aus. Direkt an der Spree gelegen, glich es zunächst eher  einer Wasserburg.

Kaiser Wilhelm ließ die Schiffsanlegestelle ausbauen und setzte hierfür eine Terrasse mit Treppenanlage zum Wasser davor, die auf unserem historischen Bild der Woche gut zu erkennen ist.

Dieser der Marienkirche und der um diese herum gelegenen Bürgerstadt zugewandte Schlossteil war der älteste des gesamten Schlosskomplexes. Seine Baugeschichte begann mit Kurfürst Friedrich II. (Eisenzahn), der noch in Tangermünde residierte.

Von 1443 an begann dieser, in der aufstrebenden Handelsstadt Berlin/Cölln eine Residenz zu errichten. An der Ostfassade ließ sich bis zum Schlossabriss gut nachvollziehen, wie das Schloss im Laufe der ersten Jahrhunderte Stück für Stück erweitert worden war.

Der Grüne Hut blieb stehen

Als Teil der alten Cöllnischen Stadtmauer aus dem 13. Jahrhundert blieb der wegen seines runden, zwiebelförmigen Kupferdaches „Grüne Hut“ genannte Befestigungsturm erhalten, der im rechten Drittel der alten Aufnahme zu sehen ist – hervorlugend zwischen dem halbrunden Vorbau der 1465 errichteten spätgotischen Erasmuskapelle (erkennbar an den bogenförmigen Fenstern) und dem im Stil der Renaissance 1579 erbauten Herzoginnenhaus mit Eckturm.

Nach dem Abbruch des Schlosses veränderte sich auch die Situation am Ufer: Die Spree wurde für den Palast der Republik abermals verengt. Nimmt man den heutigen Uferverlauf, dann läge der alte, romantische Schlossteil deutlich vom Wasser entfernt.

Beton gewordenes Zeichen

Maximale Entfernung von der Schlossgeschichte strahlt die neu errichtete Ostfassade für das Humboldt-Forum aus: streng, gerade, einförmig. Sie wurde vom Architekten Franco Stella entworfen, der damit auch Wünschen entgegenkam, den Brüchen der Schlossgeschichte Ausdruck zu verleihen.

Eine Reminiszenz an die alte Form in diesem Bauabschnitt: der Eckturm links, der zur Barockfassade überleitet und auch schon in der historischen Aufnahme zu erkennen ist.

Die zuletzt erschienenen Teile unserer Serie lesen Sie hier: