Der Wind weht heftig, doch der riesige Steinblock, der vom Lastwagen gehoben wird, wackelt nicht. Zwei Tonnen wiegt der 2 Meter mal 1,50 Meter große Koloss aus schlesischem Sandstein, der am Mittwoch um 12 Uhr auf der Baustelle für das neue Berliner Schloss abgeladen wird. Es ist das erste Element für die Barockfassade, die nach historischem Vorbild rekonstruiert werden soll.

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Bundesbauministerin Barbara Hendricks (SPD) nimmt die Lieferung entgegen. Die Teile seien alle aus Spenden finanziert, sagt sie. Durch die Aktion wolle man weitere Bürger dazu anregen, Geld für den Wiederaufbau der historischen Fassade zu geben. „Die Baustelle ist im Kosten- und Zeitplan“, sagt die Ministerin.

Falls die Spenden nicht so schnell fließen, wie sie gebraucht werden, sollen die Arbeiten dennoch nicht ins Stocken geraten. Der Haushaltsausschuss des Bundestags habe „Vorsorge getroffen, dass niemand auf offenen Rechnungen sitzen bleibt“, sagt Hendricks. Sie sei aber zuversichtlich, dass genügend Spenden eingehen.

Ministerin zuversichtlich

Für die Rekonstruktion der Barockfassade werden insgesamt 80 Millionen Euro benötigt. Das ist aber noch nicht alles. Für den Wiederaufbau der Kuppel nach historischem Vorbild sowie für die Rekonstruktion der Innenportale werden weitere 25 Millionen gebraucht. Inklusive der Extras sind es also 105 Millionen Euro.

Bei der Stiftung Berliner Schloss - Humboldtforum, die den Bau des Projekts managt, seien bislang „über 30 Millionen Euro“ eingegangen, sagt Hendricks. 18,4 Millionen Euro davon seien für die Rekonstruktion der Fassade vorgesehen. Der Rest sei zweckgebunden für andere Bauteile gespendet worden. Allein für die Fassade würden also noch mehr als 60 Millionen Euro benötigt. Ihre Zuversicht, dass genügend Spenden fließen, begründet die Bauministerin unter anderem mit den Erfahrungen beim Bau der Dresdner Frauenkirche. Auch dort seien die Gelder erst im Laufe der Bauarbeiten verstärkt eingegangen.

Der Förderverein Berliner Schloss will die 80 Millionen Euro für die Rekonstruktion der Barockfassade über Spenden aufbringen. Die Rekonstruktion der historischen Fassade soll dadurch für den Steuerzahler nicht teurer werden als der Bau einer modernen Fassade. Der Geschäftsführer des Fördervereins, Wilhelm von Boddien, geht am Mittwoch erstmals über die Zusage hinaus, 80 Millionen Euro zu sammeln. „Wir verpflichten uns jetzt zu 105 Millionen Euro“, sagt von Boddien.

Damit will der Förderverein alle zu rekonstruierenden Bauteile mit der Stiftung finanzieren. Von Boddiens Rechnung sieht freilich etwas anders aus als die der Bauministerin. Spenden im Wert von 46 Millionen habe sein Verein bereits gesammelt, sagt von Boddien – inklusive Naturalleistungen in Form von Plänen und Modellen. „Uns fehlen heute noch 59 Millionen“, sagt von Boddien. Und er macht gleich eine Rechnung auf, wie das Geld zusammen kommen soll. „Das sind knapp 150 000 Menschen, die mir jeder 400 Euro spenden.“

Bürger dürfen auf Baustelle

Am neuen Schloss sollen die Fassaden an der Nord-, West- und Südseite sowie im Schlüterhof rekonstruiert werden. Zwei Unternehmen aus Dresden und jeweils eins aus Berlin und Bamberg liefern die Teile. Sie kommen, so wie früher beim Original-Schloss, aus Schlesien und Sachsen. „Wir machen keine Kulisse“, sagt Schloss-Architekt Franco Stella. Die Fassade werde eine eigenständige, selbsttragende Konstruktion – samt Wärmedämmung.

Schließlich soll das neue Schloss beim Energiesparen vorbildlich sein. Bei einem kurzen Rundgang durch das Schloss erklärt Stella der Bauministerin seinen Entwurf. Im Eingangshof zeigt Stella auf die Galerien. Sie sollen „an Theaterlogen“ erinnern, sagt der Architekt. Das Portal sei „wie eine antike Bühnenwand, so dass dieser Raum den Charakter eines Theaters haben wird“, so Stella. Hendricks gesteht, sie habe dem Projekt am Anfang skeptisch gegenüber gestanden, aber immer für den Bau gestimmt .

Dass das Land Berlin seine Pläne für das Schloss kurzfristig geändert hat und eine Fläche von 4000 Quadratmetern nicht mehr von der Zentral- und Landesbibliothek bespielen lassen will, sondern für eine Ausstellung über die Geschichte der Stadt nutzen möchte, ist für Hendricks kein Problem. „Berlin hat natürlich das Recht, noch mal neu nachzudenken“, sagt die Ministerin. „Wir sind uns einig, dass es weder den Zeit- noch den Kostenrahmen sprengen darf.“ Dazu habe sich Berlin verpflichtet. „Sollte es zusätzliche Kosten geben, so würde Berlin die auch übernehmen“, so Hendricks.

Das Fazit der Ministerin nach ihrem Baustellenbesuch: „Mein Eindruck ist, dass das wirklich gut voran geht.“ Der Rohbau ist bis auf Restarbeiten fertig. Am 12. Juni soll das Richtfest gefeiert werden. Dann will sie wieder kommen. Am 13. und 14. Juni können die Berliner die Baustelle besichtigen. Sie seien alle eingeladen.