Das Berliner Humboldtforum mit Leben zu füllen, liegt nicht allein in den Händen der dreiköpfigen Gründungsintendanz. Das Team mit dem Briten Neil MacGregor an der Spitze soll von neun internationalen Experten unterstützt werden. Alle Berater sind viel beschäftigt, hoch engagiert, welterfahren und von erster wissenschaftlicher Expertise. Da stellt sich die Frage, wie weit sie sich überhaupt in die Details der Berliner Planungen einarbeiten und noch etwas bewegen können. Schon 2009 behauptete die Schlossbaustiftung selbst bei kleineren Veränderungswünschen, die seien zu teuer. Was geschieht, wenn dieser Beraterstab wirklich beraten, also Kritik an den bestehenden Konzepten üben will?

Es gab bereits einmal ein solch’ internationales Expertenteam. Bei seinem Gründungstreffen 2011 fragten die Museumsfachleute etwa, warum im Humboldtforum Europa eine so geringe Rolle spiele und das Museum für Europäische Kulturen als einzige kulturhistorische Sammlung in Dahlem verbleiben solle. Und wieso will die Stiftung Preußischer Kulturbesitz die islamisch geprägten Kulturen an zwei Stellen zeigen – im Pergamonmuseum und im Humboldtforum? Dabei sollen doch die vergleichbaren kunst- und kulturhistorischen Sammlungen zu China, Japan, Korea, Indonesien und Indien im Humboldtforum gebündelt werden. Dieser Beraterstab wurde nie wieder zusammengerufen.

Es hängt also bei dem Nachfolgegremium alles davon ab, ob die Forumsplaner und die Gründungsintendanz wirklich Beratung wollen – und für bessere Ideen auch in Kauf nehmen, dass sie eventuell Zeitverzögerungen und Kostensteigerungen mit sich bringen. Oder soll Kritik an den Inhalten des Humboldtforums mit berühmten Namen beschwichtigt werden? Die beste Garantie dafür, dass es nicht so ausgeht, ist: Diese Männer und Frauen haben einen schwer erarbeiteten Ruf zu verlieren, wenn sie zu nett sind.

Vielleicht gelingt es ihnen ja, aus den überspannten Ideen der Preußen-Stiftung, hier müsse das Museum geradezu neu erfunden werden, wieder eine Museums- und Kulturzentrumsplanung zu machen. Dann werden Historiker später vor allem eine Frage haben: Warum wurden diese Berater erst geholt, als Architekt Franco Stella und die Stiftung gegen den Widerstand praktisch aller Museumsmitarbeiter ihre größtenteils dysfunktionalen Raumaufteilungen durchgesetzt hatten?

George Abungu

Wenn sich das Humboldtforum mit George Abungu nur kein trojanisches Pferd ins Haus geholt hat! Der kenianische Archäologe hat sich ausgerechnet mit der Rückführung aus Afrika gestohlener Kunstschätze einen Namen gemacht – da wird er auch in Berlin so manches relevante Objekt entdecken können. Der in Cambridge promovierte Wissenschaftler zerstreut solche Befürchtungen: Es gehe ihm keineswegs um die Rückforderung jedes von Kolonialisten gestohlenen oder auf andere dunkle Weise nach Europa gelangten kulturellen Gegenstands. Lediglich jene Schätze, denen in Afrika eine außergewöhnliche, vor allem spirituelle Bedeutung zukäme – etwa den Vigingo genannten Grabrunen in Ostkenia –, hätten in Europa tatsächlich nichts zu suchen. Abungu war Generaldirektor der kenianischen Nationalmuseen, er mühte sich, die Aufbewahrungsorte verstaubter Exponate in lebendige Zentren des Kulturerbes zu verwandeln. In Fort Jesus in Mombasa ist ihm das offenbar beispielhaft gelungen. Das Zentrum wurde vor vier Jahren von der Unesco zum Weltkulturerbe erklärt. (jod.)

Anthony Appiah

Kwame Anthony Akroma-Ampim Kusi Appiah wurde 1954 in London als Sohn eines Jura-Studenten aus Ghana geboren. Der Vater kehrte bald mit dem Kind nach Afrika zurück und wurde ein erfolgreicher Politiker und Anwalt. Seine englische Frau, die Kinderbuchautorin Peggy Appiah, wurde ein sehr aktives Mitglied der ghanaischen Society. Ihr Sohn Anthony lehrt heute nach einem Studium in Cambridge im amerikanischen Princeton interkulturelle Philosophie. Er ist einer der bekanntesten Denker auf dem Gebiet der kulturellen Identität und des von wechselseitiger Abhängigkeit wie Abneigung geprägten globalen Zusammenlebens. Was macht uns zu Briten, was zu Ghanaern? Was eint die Menschen rund um den Globus, was unterscheidet sie, womit schaden, womit nützen sie sich? Solchen Frage stellt er sich ohne politische Sentimentalität. Für die Gestalter des Humboldtforums könnte Appiah mit seiner Erfahrung in der Kunst der Konversation zwischen den Kulturen zu einem unschätzbar wichtigen Anreger werden. (jae.)

Rita Eder

Rita Eder Rozencwaig ist von Hause aus Historikerin, sie hat in ihrer Heimat Mexiko und in den USA studiert. An der UNAM in Mexiko-Stadt, der weltgrößten Universität, leitete sie in den 90er-Jahren das Institut für Ästhetische Studien. Lang ist die Reihe nationaler und ausländischer Universitäten und Institutionen, für die sie tätig war: Getty, die École des Hautes Etudes en Sciences Sociales, die Universidad Nacional San Martín in Buenos Aires … In Mexiko habe sie sich als Direktorin des kunsthistorischen Instituts an der UNAM große Verdienste dabei erworben, die kunsthistorische Forschung zu internationalisieren und zu aktualisieren, sagt ihr deutscher Kollege Peter Krieger, der seit Jahren in Mexiko lehrt, der Berliner Zeitung. Im Weltkunsthistorikerverband wiederum habe sie wesentlich daran mitgewirkt, eine „von Alteuropa und den USA determinierte Kunstgeschichtsschreibung zu differenzieren“. Eders Art, über nationale Tellerränder zu schauen, wird dem Humboldtforum guttun. (hb.)