Für Wilhelm von Boddien ist die Sache logisch: Wenn das Schloss mit seiner historischen Fassade bis 2019 wieder aufgebaut ist, muss auch das Umfeld seinen ursprünglichen Charakter erhalten. Der Chef des Fördervereins Berliner Schloss fordert deshalb, den Neptunbrunnen wieder auf den Schlossplatz zurückzustellen. Zudem soll auf der nördlichen Schlossseite die Lustgartenterrasse wieder aufgebaut werden – mit Balustrade und fünf über 2,70 Meter hohen Standbildern der Oranierfürsten. „Wir wollen der Stadt ein Stück Schönheit zurückgeben“, sagt von Boddien.

Nachträgliche Änderung

Ihm ist bewusst, dass er damit erneut gegen die Senatsplanung opponiert. Und gibt sich optimistisch, dass er den vor gut zwei Jahren gekürten Entwurf zur Gestaltung des Schlossumfeldes jetzt nachträglich in seinem Sinne beeinflussen und ändern kann. Den Senatswettbewerb hatte Anfang 2013 das Berliner Landschaftsarchitektenbüro bbz gewonnen. Demnach soll der Schlossplatz mit kleinen Steinen gepflastert und historische Bezüge durch die Grünplanung hergestellt werden. Statt der Terrasse auf der Lustgartenseite etwa sehen die Planer Stauden vor. Der Neptunbrunnen soll nicht zurückkehren. So ist es auch Wunsch von Senatsbaudirektorin Regula Lüscher.

Damit werde das mit größter Akribie detailgetreu rekonstruierte Schloss von seiner städtebaulichen Umgebung brutal abgekoppelt, sagt Boddien. Außer alten Fotos hat er königliche Unterstützung aus den Niederlanden: Denn von den Oranierfürsten des 16. und 17. Jahrhunderts gibt es fünf Miniatur-Skulpturen, die sich im Besitz der Stiftung Historische Sammlungen des niederländischen Königshauses befinden. Die 50 Zentimeter hohen Bronzefiguren hatte Kaiser Wilhelm II. 1907 der niederländischen Königin Wilhelmina geschenkt. David Hakkenberg, ein Unternehmer aus Utrecht, hat zwischen Boddien und der Stiftung vermittelt, die Repliken werden nun ein Jahr in der Humboldt-Box, in der jetzt der Eintritt frei ist, gezeigt. „Das Königshaus sagt, dass es schön wäre, wenn die Oranierfürsten wieder in Berlin stehen könnten“, so Hakkenberg.

Eine kulturpolitische Entscheidung

Er hat zudem recherchiert, dass von drei Skulpturen Duplikate existieren: Prinz Friedrich Heinrich steht im Garten von Schloss Het Loo in Apeldoorn (Niederlande), Prinz Willem I. vor der Marktkirche in Wiesbaden und Prinz Willem III. am Kensington Palace in London. Abgüsse kosten 200 000 Euro, sagt Boddien. Eine weitere Figur lagert in einem Depot in Potsdam, die fünfte müsste neu angefertigt werden. Auch die beiden Rossebändiger sind erhalten, sie stehen im Kleistpark.

Für die historische Schlossfassade hat Boddien mehr als 50 Millionen Euro Spenden gesammelt, dieses Jahr gut sechs Millionen. Seine Zusage für das Schloss hat der Verein auf 105 Millionen Euro erhöht, 53 Millionen würden noch fehlen. „Wir sind im Plan, was den Baufortschritt und was die Kosten angeht.“

In der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung steht man weiter zum bisherigen Siegerentwurf für das Schlossumfeld. „Er ist zeitgemäß und nimmt die historischen Spuren auf“, sagt Sprecher Martin Pallgen. Aber: Der Entwurf ermögliche explizit die Umsiedlung von Skulpturen wie den Rossebändigern und auch dem Neptunbrunnen, wenn dies gewollt sei. „Das ist am Ende eine kulturpolitische Entscheidung. Der prämierte Entwurf lässt diese Option zu.“ Die Debatte ist eröffnet.