Die Laterne mit dem Kreuz für die Kuppel des Berliner Stadtschloss der Stiftung Humboldt Forum steht auf der Baustelle des Berliner Stadtschloss. 
Foto: imago images/Christian Ditsch

BerlinAuf die Kuppel des weitgehend fertiggestellten rekonstruierten Stadtschlosses in Berlin mit dem Namen Humboldt Forum soll am Freitagnachmittag das umstrittene Kreuz aufgesetzt werden. Laterne mitsamt Kreuz werden das 644 Millionen Euro teure Kultur- und Ausstellungszentrum um 12 auf 68 Meter erhöhen. Voraussetzung für die Arbeiten ist nicht zu starker Wind.

Mit dem Kreuz hat das Humboldt Forum aus Sicht der Kuratorin Mahret Kupka eine Chance vertan. Das Kreuz stehe zwar mit dem Stadtschloss als Ursprungsgebäude in Verbindung. Mit der ohnehin nicht originalen Rekonstruktion hätte das Symbol aber auch überdacht und reflektiert werden können. „Eine Rekonstruktion wäre auch die Möglichkeit gewesen, das zeitgemäßer, offener und dialogbereit zu gestalten“, sagte Kupka der Deutschen Presse-Agentur in Berlin.

Das ursprünglich für die Rekonstruktion nicht eingeplante Symbol wird heftig diskutiert. Kritiker sehen darin eine Belastung für völker- und religionsübergreifende Themen wie etwa die Restitutionsdebatte um Objekte mit kolonialem Hintergrund.

Spruch um die Kuppel sei merkwürdig

„Das Humboldt Forum hätte hier zeigen können, dass es sich tatsächlich mit den problematischen Aspekten auseinandersetzt“, sagte Kupka, die sich auch in der Initiative Schwarze Menschen in Deutschland engagiert.

Zudem kritisierte die Kuratorin am Museum Angewandte Kunst in Frankfurt/Main den auf Bibelzitate zurückgehenden Spruch um die Kuppel, in dem eine Unterwerfung aller Menschen unter das Christentum gefordert wird. Es sei merkwürdig, an dem Spruchband festzuhalten. „Das ist einfach eine sehr krasse Aussage, die tatsächlich alles unterläuft, was das Humboldt Forum vorgibt, sein zu wollen.“

Für die 39-Jährige, deren mütterlicher Familienteil nigerianische Wurzeln hat, wird so „der angestrebte Dialog um Kolonialismus und Restitution unglaubwürdig“. Zum einen durch das Signal in die sogenannten Herkunftsnationen, aber auch innerhalb Deutschlands. „Denn es ist eine immer wieder gern vernachlässigte Tatsache, dass Deutschland eine sehr heterogene Gesellschaft ist.“

Teileröffnung coronabedingt verschoben

Nun passiere symbolisch viel, was über das Gebäude an sich hinausgehe. „Was bedeutet das für Deutschland als multikulturelle, heterogene, postmigrantische Gesellschaft. Aber natürlich auch nach außen, denn das Christentum ist eng mit Kolonialgeschichte verbunden“, sagte Kupke. „Das Christentum ist ein Kanal gewesen, über den auch der Kolonialismus mitfunktionierte und bestärkt wurde. Es geschah quasi im Namen des Christentums, das Dinge geraubt oder zerstört wurden.“

Für das Humboldt Forum ist die zunächst für September geplante erste Teileröffnung coronabedingt verschoben worden. Nach drei Eröffnungsetappen soll das Forum bis Herbst 2021 komplett zugänglich sein. Das 40 000 Quadratmeter umfassende Gebäude bespielen künftig die Stiftung Preußischer Kulturbesitz mit zwei ihrer Museen, das Land Berlin und die Humboldt-Universität. Gezeigt werden sollen Exponate aus Asien, Afrika, Amerika und Ozeanien sowie Objekte zur Geschichte Berlins.