Nur wenige Tage noch, dann hat Berlin eine neue Straßenbahnstrecke. Vom kommenden Sonnabend an fahren die M 8 und M 10, die am Nordbahnhof endeten, in den Westen Berlins – bis Hauptbahnhof und zur Lüneburger Straße in Moabit. Die nächste Verlängerung ist bereits in Sicht: Ab 2020 soll die M 10 bis zum U-Bahnhof Turmstraße verkehren. Aber das reicht dem Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) nicht. Künftig müsse die Tram bis Tegel fahren.

„Es bleibt dabei: Am 29. August beginnt der Betrieb“, bekräftigte Markus Falkner, Sprecher der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG), am Freitag. Dann ist der zweite Abschnitt der Strecke in der Invalidenstraße in Mitte fertig. „Schön“, sagte BUND-Verkehrsexperte Martin Schlegel. Gut sei auch, dass der Senat den Weiterbau zum U-Bahnhof Turmstraße vorbereitet. Doch dabei dürfe es nicht bleiben: „Wir fordern, die Strecke rasch weiter zu verlängern – erst zum U-Bahnhof Mierendorffplatz und zum Bahnhof Jungfernheide, später über das heutige Tegeler Flughafengelände und weiter zum Kurt-Schumacher-Platz“, sagte er.

Für Neubaugebiete ist die Bahn ideal

Die Fortführung in Moabit wäre wichtig, weil der Lokalverkehr stark ist und die Bahn überlastete Buslinien wie die M 27 ersetzen könnte. Der Weiterbau nach Reinickendorf sei nötig, weil nach der Stilllegung des Flughafens Tegel dort mehrere tausend Wohnungen entstehen sollen. Die Schienen sollten liegen, bevor die Umzugslaster kommen.

Wie berichtet, hält es die BVG für sinnvoller, die U-Bahn-Linie U 6 mit einer Zweigstrecke zu versehen. „Doch die U 6 stößt heute schon an ihre Kapazitätsgrenzen“, so Schlegel. Auch wenn die Ausfädelung oberirdisch verlaufen soll: „Der U-Bahn-Bau ist zu teuer und dauert zu lang.“

Für andere große Neubaugebiete in Berlin, die derzeit geplant werden, wäre die Straßenbahn ebenfalls ideal – zum Beispiel für die Elisabeth-Aue in Pankow, die Buckower Felder und Lichterfelde Süd. „In den vergangenen 15 Jahren sind in Berlin jährlich im Durchschnitt gerade mal 600 Meter Straßenbahnstrecke neu entstanden. Die Baugeschwindigkeit muss sich endlich erhöhen“, sagte Schlegel.

Wie berichtet, denken die Senatsplaner nach längerer Pause derzeit wieder über Erweiterungen des Berliner Straßenbahnnetzes nach. Zu ihren Ideen gehören auch die Strecken nach Jungfernheide und zur Elisabeth-Aue. Doch Zeitpläne gibt es noch nicht.

Lieber am Rand als in der Mitte

Die nächste Erweiterung, die 2,2 Kilometer lange Strecke vom Hauptbahnhof zum U-Bahnhof Turmstraße, soll 19,6 Millionen Euro kosten. Im Herbst soll die BVG den Planungsauftrag bekommen. Das Doppelgleis soll über die Rathenower Straße und den Mittelstreifen der Turmstraße führen. „Wir halten es für sinnvoller, die Strecke auf der Südseite der Turmstraße zu bauen – in Seitenlage und als begrüntes Gleis“, so Philipp Poll vom BUND-Arbeitskreis Mobilität. Dann könnte die Strecke geradlinig geführt werden. Das reduziert Lärm, und das Umsteigen am U-Bahnhof Turmstraße werde einfacher. Der Senat lässt dies nun prüfen, sagte Poll.