Ein Radfahrer in Berlin.
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BerlinFrohe Kunde für Radfahrer: Es gibt immer mehr sogenannte Pop-up-Radwege. Also Fahrradspuren, die auf Berlins Straßen einfach mal so aufpoppen. Auf der Frankfurter Allee wurde am Mittwoch ein neuer Radweg markiert. 11,2 Kilometer Straße wurden so in den vergangenen Wochen umgewidmet. Fast doppelt so viele sind nach Angaben der  Verkehrsverwaltung „in Arbeit“.

Die Pop-up-Radwege sollten eigentlich nur bis Ende Mai gelten, weil es wegen der Corona-Krise weniger Autoverkehr gab. Doch es ist anzunehmen, dass aus den Provisorien Dauerhaftes wird. Im grün regierten Friedrichshain-Kreuzberg zeichnet sich das gerade ab. Derweil stauen sich die tuckernden Autos, wer sich aufregt, wird als rückständig belächelt oder als Teil einer ominösen „Autolobby“ verunglimpft.

Das Problem der grünen Verkehrspolitiker – vor allem in Berlin – ist: Sie betreiben keine Politik, die einer möglichst breiten Bevölkerung zugute kommen soll. Sie betreiben Klientelpolitik. In Berlin wird Politik von Radfahrern für Radfahrer gemacht. Für jene, die es sich leisten können, von Prenzlauer Berg nach Mitte ins Büro zu radeln.

Die grüne Verkehrssenatorin kann sich anscheinend nicht vorstellen, dass es Zehntausende gibt, die nicht in Mitte oder Kreuzberg wohnen, aber täglich zur Arbeit kommen müssen, ob aus Königs Wusterhausen, Spandau oder Buch. Obwohl Autofahren, das in Berlin ohnehin wenig Freude bereitet, möglichst unattraktiv gemacht werden soll, sind so viele Kfz angemeldet wie nie zuvor: mehr als 1,22 Millionen, weil die meisten aufs Auto angewiesen sind. Man kann das Abstimmung auf Rädern nennen, die sich Versuchen grüner Volkserziehung widersetzt.