„Do not tell people your plans! Show them your results“ – „Erzähle den Leuten nicht deine Pläne! Zeige Ihnen Ergebnisse!“
Foto: BLZ/Henseke

BerlinEs erinnert an die Fabel von Hase und Igel. Egal, an welchen Lost Place, an welche verfallene Klinik, an welche verlassene Kaserne oder in welchen versteckten Bunker in der Region man kommt, einer ist fast immer schon da - ein Berliner Bär mit langgezogener Schnauze. Das Tierchen mit den witzigen Sprechblasen ist das Markenzeichen des wohl bekanntesten und mit Sicherheit des produktivsten Berliner Graffitisprayers – Tobo.

Ein Bär mit Namen. Erik Rotheim nennt Tobo das Tier, getauft nach dem gleichnamigen Erfinder der Sprühdose. Der Teufelsberg ist voller Eriks, auf den Berliner Graffiti-Walls wie in Blankenburg oder am Goslaer Ufer taucht er immer wieder auf, in verlassenen Kasernen der Roten Armee in Vogelsang, Elstal oder Jüterbog schaut er im Dutzend von den Wänden. Tobo arbeitet turboschnell: „1000 Eriks habe ich locker gemalt“, sagt Tobo. „Es können aber auch schon 2000 sein.“ Pro Monat verbraucht er 50 bis 80 Farbdosen, zuletzt waren es sogar mehrere Hundert.

Erik ist Tobos "Spirit Animal"

Als 12-Jähriger hat Tobo, jetzt Mitte 30, mit dem Sprayen begonnen, vor acht Jahren erblickte der vorlaute Erik das Licht der Welt – auf der Wand einer verlassenen Gebäudes in Kleinmachnow. Das heißt: Alle zwei, drei Tage kommt seitdem ein neuer Erik hinzu. „Inzwischen kann ich mit ihm leben“, sagt Tobo, der den Bären mit der langen Schnauze sein „Spirit Animal“ nennt. „Anfangs aber fand ich ihn recht hässlich.“ Die Figur hat sich im Laufe der Jahre auch verändert: Die Zehen wurden kleiner, die Außenlinien dicker.

Schaut man Tobo bei der Arbeit über die Schulter, überrascht das Tempo, mit der sich die Figur entwickelt. Die Eriks entstehen ohne Schablone, sind frei Hand gemalt und innerhalb weniger Minuten fertig. Er habe schon in der Schule ein Talent zum Zeichnen gehabt, erzählt der Wilmersdorfer, der inzwischen von seiner Kunst leben kann. Er verkauft Bilder und übernimmt Aufträge wie gerade erst die Fassadengestaltung in einem neuen Park in Beeskow. „Die ersten 15 Jahre habe ich nur aus Spaß gemalt und gehofft, dass es irgendwann mal rentabel wird.“

Produktiv: Der Sprayer Tobo
Foto: BLZ/Henseke

Erik und wie er die Welt sieht

Der Aufschwung kam vor ein, zwei Jahren. Fast zeitgleich mit den Ausstellungen „The House“ und „Wandelism“, bei denen Hunderte Schlange standen, um die Werke Berliner Streetart- und Graffiti-Künstler zu sehen. Auch Tobo, der bei „Wandelism“ ausstellte. „Da hat man gesehen, dass da was passiert, dass das eine Massenbewegung wird“, sagt der Sprayer. Als was sieht er sich selbst: Als Graffiti-Sprayer oder als Streetart-Künstler? „Glücklich bin ich in der Mitte“, sagt er. „Graffiti ist oft nur die Wiederholung guten Handwerks. Bei Streetart steht ein Gedanke dahinter, eine Idee“.

Und der Gedanke „versteckt“ sich bei Tobo in den Sprechblasen. Erik und wie er die Welt sieht – mit mal schlauen, mal witzigen, mal frechen Sinnsprüchen. „Being famous on Instagram is like being rich in Monopoly“ (Berühmt zu sein auf Instagram ist wie reich zu sein bei Monopoly), „Don't die before you are dead!“ (Stirb nicht, bevor du tot bist) oder „Teamwork makes the dream work“ (Teamwork bringt den Traum zum Laufen). Immer auf Englisch, damit man ihn auch weltweit versteht.

Ein wandelbarer Bär

Erik Rotheim ist dabei extrem wandelbar. Der Bär ändert unter Tobos Spraydose öfter die Gestalt, wird zum Teufel, Schlumpf, Hai oder Pink Panther. Gerade zu bestaunen an der alten Stammbahnbrücke (Überbleibsel der ersten preußischen Eisenbahnstrecke) in Dreilinden. In den letzten Wochen hat sich dieser verlassene Ort quasi in ein Tobo-Best-of verwandelt - mit weit mehr als 50 Eriks. Tobo malt sowieso bevorzugt an Lost Places. „Weil man da machen kann, was man will und es viele freie Wände gibt“, sagt der Künstler. „Und weil ich dabei immer wieder interessante Geschichten aus der Geschichte entdecke.“