Berlin - Endlich Sonne! Da gibt es kein Halten mehr: Wer irgendwie Zeit aufbringen kann, der schnappt sich in diesen Tagen Bikini, Picknickdecke und ein kühles Getränk. Der Corona-Winter steckt vielen noch tief in den Knochen und die Menschen lechzen nach Wärme, auch sozialer Wärme. Auf dem Weg zum Tempelhofer Feld lächelt mich eine Frau vom Fahrrad aus an. Einfach so. Die Laune steigt.

Und auf dem Feld ist tatsächlich genug Platz für alle, zumindest am Mittwochnachmittag. Die meisten sind zu zweit oder allein gekommen. Nur am Rande der Skatebahn, da staut es sich. Es gibt ja schließlich was zu sehen. Naja, was soll’s, Limo raus und T-Shirt aus. Die Bräune macht sich schließlich nicht von allein. Und auch in der zweiten Reihe funktioniert das mit dem Sportlerbeobachten noch.

Ein Wirrwarr von Klängen schwirrt durch die Luft. Es ist ungewohnt, so viele Stimmen gleichzeitig zu hören. Aus der einen Richtung läuten leise Reggae-Rhythmen die Saison ein. Ein bisschen weiter tanzen Rollschuhfahrer zu HipHop. Weitere Bluetooth-Boxen beschallen die Menge, wenn auch so weit entfernt, dass das Genre schwer erkennbar bleibt.

„Die Sonne weckt die Lebensgeister wieder. Schön, die Leute lachen zu sehen“, sagt Anna, die im Museum arbeitet und deshalb in Kurzarbeit ist. Lebensgeister und faul auf der Decke fläzen scheint hier kein Widerspruch zu sein. Einfach genießen. Cynthia hat noch keinen Sommer in Berlin ohne Corona erlebt. „Das ist schon komisch“, sagt die Amerikanerin. Ihre Tochter Poppy ist dagegen schon seit sechs Jahren hier. „Ich arbeite im Café. Leider“, sagt sie. „Aber die Sonne ist schön, ich kann nicht klagen, wenn die Sonne scheint.“

Am Abend zuvor war es noch anders. Da waren viele Menschen auf dem Tempelhofer Feld und wollten am Abend, als der Park geschlossen werden sollte, diesen nicht verlassen. Die Polizei musste schließlich einschreiten.

Party im Gleisdreieck-Park

Demnächst dürften die Beamten auch wieder am Gleisdreieck-Park in Kreuzberg vorbeischauen. Am Dienstagabend waren dort so viele Menschen unterwegs, dass es stellenweise gar nicht möglich war, die Abstandsregeln einzuhalten. Die zahlreichen Haushalte, die da zusammensaßen, müssen schon sehr, sehr große Wohngemeinschaften sein. Schon in den vergangenen, kühleren Nächten klüngelten vermehrt junge Menschen in dem Park. Schon im vergangenen  Jahr war die Grünfläche unter der Hochbahn Party-Hotspot. Polizeigroßeinsatz inklusive.