Berlin - Das Attentat auf das Berliner Stromnetz vom Montag sorgt für Streit im Abgeordnetenhaus. Bei dem Brandanschlag auf acht Starkstromkabel waren Teile im Norden von Charlottenburg für Stunden lahmgelegt worden. Zwar weisen die mutmaßlichen Attentäter in einem von Sicherheitsbehörden mittlerweile als vermutlich echt eingestuften Bekennerschreiben explizit darauf hin, man habe „eine Gefährdung von Menschen ausgeschlossen“. Dennoch ist die Empörung über den Anschlag groß.

Vorwürfe gegen Linke und Grüne

Die CDU erhob am Dienstag schwere Vorwürfe gegen Linke und Grüne. Teile dieser Parteien müssten „endlich aufhören, mit Linksextremisten klammheimlich zu sympathisieren“, sagte der innenpolitische Sprecher der CDU-Fraktion, Burkhard Dregger. Der Linksextremismus in Berlin habe „eine neue Qualität erreicht“.

Wegducken bei linker Gewalt sei „die falsche Strategie“. Es stelle sich zudem die Frage, wie die Täter an das Hintergrundwissen gelangen konnten, „weite Teile unserer Stadt über einen solch langen Zeitraum von der Energieversorgung abzuschneiden“, so Dregger weiter.

Der innenpolitische Sprecher der AfD-Fraktion im Abgeordnetenhaus, Karsten Woldeit, griff zudem Berlins Regierenden Bürgermeister scharf an. Da die Attentäter Linksextremisten seien, traue sich Michael Müller nicht, „klare Aussagen zu treffen. Schließlich reichen die Sympathien für die Linksterroristen bis auf die Regierungsbank“, so Woldeit. Müller wolle „Linke und Grüne schlicht nicht vor den Kopf stoßen“.

Müller: „Kein dummer Scherz“

Allerdings hatte der Regierende Bürgermeister die Tat bereits am Montag scharf verurteilt: „Anschläge auf die Infrastruktur, wie zum Beispiel das Stromnetz, treffen alle.“ Das sei „kein dummer Scherz, denn das kann Leben gefährden“, so Müller weiter. Wer „wissentlich das Leben von zum Beispiel Patienten in Krankenhäusern“ gefährde oder riskiere, „dass es im Straßenverkehr Unfälle gibt“, der müsse „konsequent bestraft werden“.

Zwar wurden durch den an der Mörschbrücke gelegten Brand keine Menschen verletzt, die Auswirkungen waren jedoch immens. Rund 6500 Privathaushalte und 400 Gewerbekunden waren nach Angaben des Energieriesen Vattenfall ab 13 Uhr von dem Stromausfall betroffen. Zudem sorgten etliche ausgefallene Ampeln rund um den Mierendorffplatz für ein Verkehrschaos. Der Flughafen Tegel, laut Bekennerschreiben ebenfalls ein Ziel des Anschlags, blieb von den Folgen des Stromausfalls jedoch verschont. Es habe „keine Einschränkungen im Flugbetrieb“ gegeben, teilte ein Sprecher mit. Gegen Abend hatten Techniker die Schäden provisorisch repariert, ein Großteil der betroffenen Haushalte und Firmen konnten wieder mit Strom versorgt werden.

Attacken auch schon 2011 und 2017

Bereits in Mai 2011 sowie im Juni 2017 hatten linksradikale Gruppen Brandanschläge auf Kabelanlagen in Berlin verübt. Damals war vor allem der Bahnverkehr betroffen. Sich dagegen zu schützen, ist nahezu unmöglich: 36.000 Kilometer Stromkabel mit rund 25.000 Koten verlaufen durch Berlin, teils unter-, teils überirdisch. Diese hermetisch abzuriegeln und damit vor dem Zugriff Unbefugter vollständig abzusichern, ist laut einem Stromtechniker vor allem aus zwei Gründen nicht möglich.

Zum einen wären dazu „bauliche Maßnahmen in Millionenhöhe“ nötig. Zum anderen müssen „die Techniker für Reparatur- und Wartungsarbeiten natürlich Zugriff auf die Kabel haben“, weshalb eine komplett geschlossene Beton- oder Stahlummantelung „nicht einmal in der Theorie“ denkbar sei.

Die weiteren Ermittlungen hat nun der Staatsschutz übernommen. Allerdings ist fraglich, ob die aus dem linksextremen Spektrum stammenden Täter ermittelt werden können. So gab es trotz intensiver Polizeiarbeit nach den Brandanschläge der Jahre 2011 und 2017 bis heute keine einzige Festnahme.