An diesem Donnerstag werden - sofern sie dem Regenwetter trotzen - wieder die Männergruppen unterwegs sein, mit Fahrrädern oder Bollerwagen oder Krückstock mit Klingel daran. Im Gepäck haben sie oft einen großen Vorrat gut gekühlter Bierflaschen, sodass dieser Feiertag mit Freunden meist ein feuchtfröhlicher ist.

Im Osten Berlins scheint das Ritual eine besonders starke Tradition zu haben. Am 8. März – dem Frauentag – hatten sich hier schließlich die Frauen verabredet und gefeiert, am Herrentag waren dann die Männer an der Reihe. 

Tatsächlich stammt der Herren- oder Vatertag – beide Begriffe sind gebräuchlich – nicht aus DDR-Zeiten. Wohl aber aus Berlin.  „Um 1900 gab es in der Stadt viele alleinstehende, schlecht untergebrachte Männer“, sagt Wolfgang Kaschuba, Direktor des Instituts für Europäische Ethnologie der Humboldt-Universität. 

Diese Männer hätten den christlichen Feiertag Christi Himmelfahrt gleich mehrfach für ihre Zwecke genutzt: „zur Rudelbildung und zum Trinken“ – kombiniert mit einem Ausflug ins Grüne. Dieser Herrentag, der von bessergestellten Männern durchaus als „Landpartie“ begangen wurde, sei eine der wenigen Traditionen, die ihren Ursprung in einer Stadt und nicht auf dem Land haben. 

Der Name Herrentag sei aber nicht als Anspielung auf den christlichen Feiertag und den „Herrn“ zu verstehen – sondern vielmehr als weltliches Fest. Im Herrentag habe sich auch das um die Jahrhundertwende in Mode gekommene Wandern niedergeschlagen, sagt Kaschuba, viele Männer seien aber auch reitend unterwegs gewesen. Ob zu Fuß oder hoch zu Ross, bei der sogenannten "Herrentagspartie" geht es seitdem stets um eines: Jungen und jüngere Männer in die Sitten und Unsitten der Männlichkeit einzuweihen. (BLZ)