Berliner Trendgetränk Cold Brew: In Kreuzberg trinkt man jetzt kalten Kaffee

Wer auf die Idee kam, Kaffee statt mit heißem Wasser mal mit kaltem Wasser zu extrahieren, ist nicht ganz geklärt. Doch seit ein paar Monaten wird es in vielen Cafés der Stadt angeboten, die perfekte Alternative bei sommerlichen Temperaturen zum schweißtreibenden Heißgetränk. Genannt wird der kalte Kaffee Cold Brew, Slow Coffee oder Cold Drip, und erfunden haben ihn angeblich die Niederländer auf Reisen durch die heißen asiatischen Kolonien. Das Besondere am Cold Brew ist das weitgehende Fehlen der üblichen Bitterstoffe und der Säure. Der kalte Kaffee ist vielleicht nicht so stark wie ein Espresso, sondern leicht bräunlich gefärbt. Dafür steckt er voller Aromen, die man vom normalen Kaffee nicht kennt. Geröstete Nüsse, Schokolade, Beerenaromen, sogar leicht Zitrusaromen lassen sich aus ihm herausschmecken.

Eine der ersten Kaffeebars in Berlin, die Cold Brew anbieten, ist das Chapter One in Kreuzberg neben der Marheineke-Markthalle. Chefin Nora Smahelová (34) hat seit 2011 ihren eigenen Laden, der auf Filterkaffee spezialisiert ist. Auf der Theke steht eine Apparatur aus Glas, die gemahlenen Kaffee langsam mit Wasser betröpfelt. „Das ist aber nur Schau“, sagt Nora schnell. „Den Cold Brew stellen wir im Hinterzimmer mit einer ganz einfachen Apparatur her, die allerdings nicht so schön aussieht.“

Im Wasserglas mit Eiswürfeln

Der Laden zieht eine internationale Schar von Kaffee-Connaisseuren an, so muss man sie schon nennen. Übrigens nicht nur im Sommer. „Wir bieten den Cold Brew ganzjährig an, und die Nachfrage ist sehr gut“, meint Nora dazu. Der Kaffee, den Nora für den Cold Brew verwendet, ändert sich je nach Jahreszeit. Im Moment ist es der „Äthiopien washed Limu Nano Challa“, ein hell gerösteter Kaffee. Die Menge einer Espressotasse kommt dabei in ein Wasserglas mit Eiswürfeln. Nora empfiehlt immer, ihn ohne Zucker und ohne Milch zu trinken, dann käme der Geschmack des Kaffees besser zur Geltung.

Auch Florian Häupl (34) hat sich dem Gourmet-Kaffee verschrieben. Zusammen mit seinen Geschäftspartnern Mascha Häupl und Simone König produziert er Cold Brew zum mitnehmen. Die 200 Milliliter große Flasche „ready to drink“ wird mittlerweile in ganz Deutschland verkauft. „Während in den USA eher Konzentrate verkauft werden, die sich die Kunden zu Hause verdünnen, ist in Deutschland das fertige Getränk gefragt“, sagt Häupl. Er füllt es in eine schicke Pfandflasche ab, die im Laden 3,50 Euro kostet. Auch Häupl wechselt die Kaffeesorten je nach Saison aus. „Wir kommen aus der Spezialitätenkaffeebewegung.“ Die „dritte Welle“ der Kaffeekenner lege ähnlich hohe Maßstäbe an den Produktionsprozess wie die neuen Mikrobrauereien, die Bier handwerklich herstellen. „Da kommen viele Faktoren zusammen, neben der Qualität der Bohne der Röstgrad, die Zeit des Ziehens und anderes“, so der Unternehmer. Immerhin verrät Häupl, dass der Kaffee, den er verkauft, in der Regel 24 Stunden im kalten Wasser zieht.

Je länger desto besser

Der Kaffee schmeckt nicht nur angenehm frisch und kühl, er ist auch länger haltbar – gekühlt gar bis zu zwei Wochen! In Korea und Japan, aber auch in New York steht der Cold Brew schon lange auf den Karten der Gourmet-Cafés, man hat dazu sogar extra eine Kalt-Extraktions-Maschine. Für den Hausgebrauch ist diese gar nicht nötig. Eine French Press, die in vielen Haushalten vorrätig ist, genügt voll und ganz. Für eine Kanne Cold Brew mit der French Press nimmt man 40 Gramm gemahlenen Kaffee nach eigenem Gusto und gießt ihn mit 250 Milliliter kaltem Wasser auf. Diese Mischung lässt man etwa 12 Stunden lang ziehen und drückt dann den Stempel der French Press nach unten. Als Faustregel kann gelten: Je länger der Kaffee zieht, desto intensiver und komplexer wird das Aroma.

Wenn man den Cold Brew nicht sofort trinkt, empfiehlt es sich, ihn in eine normale Kaffeekanne umzufüllen und dann im Kühlschrank aufzubewahren. Auch mit dem alten Kaffeefilter aus Papier lässt sich Cold Brew herstellen – dazu muss allerdings der gefüllte Kaffeefilter im Wasser hängen. Am besten genießt man den Cold Brew im Cognac-Schwenker, eventuell auch mit Eiswürfeln.

Wer es professionell mag, kauft sich den „Cold Water Dripper“ für rund 200 Euro, der ohne Strom funktioniert und ein Schmuckstück für die Küche ist. Die japanische Firma Hario bietet ein solches Gerät in Designerqualität an: Wasserbehälter, Dripper und Kaffeekanne sind aus Glas und platziert in einer Art Glasvorrichtung. Tropfen für Tropfen sickert das Wasser dabei von oben auf den Kaffee, um dann in die Kaffeekanne zu rieseln. Natürlich empfiehlt es sich hier, nicht den billigsten Kaffee aus dem Supermarkt zu verwenden, sondern eine Sorte mit guter Qualität aus dem Fachgeschäft. In Japan ist Kaffee übrigens sehr stark verbreitet – die Japaner trinken mehr Kaffee als Franzosen und Italiener zusammen!