Berlin - Die BVG will die Ursache für die Havarie an einer Baustelle auf dem Leipziger Platz gerichtlich durch einen Gutachter überprüfen lassen. Wie die Berliner Verkehrsbetriebe am Freitag mitteilten, beantragte das landeseigene Unternehmen beim Berliner Landgericht einen Sachverständigen.

Damit solle festgestellt werden, ob die „Schäden durch mangelhafte Planungen und Bauarbeiten“ der beauftragten Unternehmen entstanden seien. Aus Sicht der BVG sind die Schäden erheblich. Der Geschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft Leipziger Platz, Andreas Fettchenhauer, zeigte wenig Verständnis für das Vorgehen der BVG. Dies sei „nicht nachvollziehbar“, sagte er der Nachrichtenagentur dpa.

Als Gutachter schlug die BVG Hans-Georg Kempfert vor. Dieser sei ein ausgewiesener Experte auf dem Gebiet der Geotechnik. Außerdem sei er als Gerichtsgutachter in dem Verfahren um den Einsturz des Kölner Stadtarchivs „mit vergleichbaren Fragestellungen befasst“. Das Kölner Archiv war am 3. März 2009 wegen Pannen beim U-Bahn-Bau eingestürzt. Die beiden Fälle seien aber nicht miteinander vergleichbar, sagte BVG-Sprecher Klaus Wazlak der Nachrichtenagentur dpa.

Irritiert ist die BVG offensichtlich darüber, dass „trotz der ausdrücklichen Anordnung“ der Investor an der Baustelle Arbeiten vornehme, um Projektverzögerungen und Mehrkosten in Grenzen zu halten. Dabei sei immer noch nicht abschließend analysiert worden, ob das Tunnelbauwerk durch den Wasserschaden geschädigt und durch unterirdische Hohlräume destabilisiert worden sei. Insgesamt sei das jetzt beantragte gerichtliche Beweisverfahren aber ein üblicher Schritt, betonte Wazlak.

Fettchenhauer zufolge ist Sanierungskonzept mit allen Beteiligten abgestimmt und umgesetzt worden. „Wir haben alle Auflagen erfüllt“, fügte er hinzu. Von der Havarie sei der Tunnel nicht betroffen gewesen. Auch zeigte er sich „etwas verwundert“, da das Zusammenwirken bislang partnerschaftlich und zufriedenstellend gewesen sei.

Ob der Fall auch die Gerichte in einem Prozess beschäftigen wird, ließ die BVG offen. Dies hänge von den weiteren Entwicklungen auf der Baustelle ab. Falls eine Klärung der Ursachen außergerichtlich gelinge und die Senatsverwaltung die geforderten Nachweise zur Betriebssicherheit akzeptiere, sei zu prüfen, „ob und inwieweit es eines formellen Gerichtsgutachtens noch bedarf“, teilte das Unternehmen weiter mit.

Seit Ende März ist der Verkehr auf der Linie U2 nach einem Wassereinbruch auf der Baustelle aus Sicherheitsgründen unterbrochen. Die vor Ostern verhängte Sperrung könnte laut BVG noch bis Mitte Mai dauern. Eine Wiederaufnahme werde von der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung erst dann gestattet, wenn die Ursachen des Schadensfalles ermittelt seien und Nachweise zur Stand- und Betriebssicherheit des Tunnels vorliegen würden, hieß es.

Neben der U2 wird von Montag an auch die wichtige Linie U1 unterbrochen sein. Grund sind Bauarbeiten am U-Bahnhof Gleisdreieck in Berlin-Kreuzberg. Fahrgäste müssen hier bis 8. Juni zwischen Möckernbrücke und Wittenbergplatz auf Busse umsteigen. Am Gleisdreieck sollen Stützen für das U-Bahnviadukt an dem fast 100 Jahre alten Bahnhof ausgetauscht werden. Die Kosten belaufen sich auf rund 1,5 Millionen Euro. (dpa)