Berlin - Berlins U-Bahn-Netz soll erweitert werden – und zwar schon in wenigen Jahren, falls der Senat wie erwartet die Signale auf Grün stellt. Ein Bauvorhaben im Südwesten der Stadt, die Verlängerung der Linie U3, hat gute Chancen, als erstes verwirklicht zu werden. Statt wie bisher in Krumme Lanke zu enden, sollen die Bahnen bis zum S-Bahnhof Mexikoplatz weiterfahren. Anders als die Erweiterungen der U7, die derzeit die Debatte beherrschen, könnte die Neubaustrecke in Zehlendorf lange vor dem Ende dieses Jahrzehnts fertig werden, hieß es in Behördenkreisen. Verkehrssenatorin Regine Günther bezeichnete das Projekt U3 am Dienstag als „vielversprechend“. „Wir sollten schnellstmöglich in die Umsetzung gehen“, sagte die Grünen-Politikerin nach der Senatssitzung.

Seit 1929 ist Krumme Lanke Endstation der U-Bahn. Doch immer wieder wurde diskutiert, ob es nicht sinnvoll wäre, die heutige U3 unter der Argentinischen Allee zum S-Bahnhof Mexikoplatz weiterzuführen. Umsteiger zwischen S- und U-Bahn könnten der wenig ausgelasteten U3 zusätzliche Fahrgäste bescheren – zum Beispiel zur Freien Universität oder zu den Dahlemer Museen.

Inzwischen haben die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) gehandelt. Das Landesunternehmen habe bereits eine „erste Konzeption“ erstellt, teilte die Verkehrssenatorin mit. Hintergrund seien „notwendige Änderungen von Betriebsanlagen am jetzigen Streckenende“, stellte Günther fest. Damit meinte sie, dass die BVG in Krumme Lanke eine Abstellanlage für ihre U-Bahnen bauen möchte.

Schon jetzt führt der Tunnel der U3 rund 280 Meter über die Endstation hinaus. Für die Abstellanlage müsste er ohnehin erweitert werden. Wenn der Tunnel bei dieser Gelegenheit bis zum Mexikoplatz fortgeführt würde, wäre der Aufwand überschaubar, hieß es. Je nachdem, wo der künftige Endbahnhof entsteht, würde es sich um 600 bis 700 Meter Neubaustrecke handeln. Intern ist von 680 Metern die Rede.

Ende März soll der Senat den Weiterbau der U3 beschließen, sagte die Senatorin. Einstweilen prüft die Verwaltung, wann der U-Bahn-Bau beginnen könnte. Wenn der Senat Geld vom Bund in Anspruch nehmen will, müsste es zunächst eine Nutzen-Kosten-Untersuchung geben. Sie würde zwei bis zweieinhalb Jahre in Anspruch nehmen, so die Senatorin. Festzulegen sei auch, ob und in welchem Umfang ein Planfeststellungsverfahren erforderlich sei, so ein Beobachter. In Senatskreisen hieß es, dass die BVG derzeit von drei Jahre Planen und drei Jahre Bauen ausgehe. Es gibt aber auch Stimmen, die eine deutlich kürzere Bauzeit von ein bis zwei Jahren für möglich halten.

Zu den Baukosten konnte die Senatorin noch nichts sagen. Eine frühere Schätzung geht von 40 Millionen Euro aus. Damit wäre die Verlängerung der U3 ein kostengünstiges U-Bahn-Projekt. Allerdings werde das Fahrgastaufkommen ebenfalls nicht besonders hoch sein. Doch im Senat hält man es für sinnvoll, weil es eine Lücke im Liniennetz schließen würde.

Dass es relativ zügig realisiert werden könnte, hätte einen weiteren Vorteil, hieß es. Die BVG Projekt GmbH, die sich mit der Verlängerung der U5 in Mitte Meriten verdient hat, könnte weiterbeschäftigt werden. Dagegen könnten die Verlängerungen der U7, die zum Flughafen BER und in die Spandauer Großsiedlung Heerstraße Nord führen würden, erst im kommenden Jahrzehnt in Angriff genommen werden. „Nicht vor dem Ende dieser Dekade“, so Günther.

Klar ist, dass die Verwaltung Geld und Personal benötigt, um den Ausbau des U-Bahn-Netzes in Angriff nehmen zu können. Schon die versprochenen Erweiterungen der Straßenbahn gingen nur sehr langsam voran, sagte der Linken-Verkehrspolitiker Kristian Ronneburg. Er befürchtet, dass Personal abgezogen wird, um U-Bahn-Projekte zu bearbeiten. „Ich werde mit dem Finanzsenator sprechen“, entgegnete die Verkehrssenatorin. Ziel sei es, außer den nötigen Mitteln auch zusätzliches Personal zu bekommen, so Günther am Dienstag. Der U-Bahn-Ausbau dürfe nicht zu Lasten anderer Projekte gehen, sagte sie.