Berlin - Am Freitag reist Sigrid Evelyn Nikutta, die Chefin der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG), quer durch die Stadt. Am Vormittag will sie in Dahlem den neuen Namen für den U-Bahnhof Thielplatz enthüllen. Für den Mittag hat sie sich im Wohngebiet Kaulsdorf-Nord angesagt, wo ebenfalls eine U-Bahn-Station umbenannt wird: Neue Grottkauer Straße. „Zum Jahreswechsel kommt noch mal frischer Wind in die Bude“, kommentiert die BVG die neuen Namensgebungen.  Unumstritten sind sie nicht. Der Aufwand ist hoch, sagt Jens Wieseke vom Fahrgastverband IGEB. „Doch die Stadt verändert sich. Sie lebt.“

Freie Universität und Kienberg

Der U-Bahnhof Thielplatz heißt künftig Freie Universität (Thielplatz), aus der Neuen Grottkauer Straße wird Kienberg (Gärten der Welt). Offiziell gelten die Namen ab dem Fahrplanwechsel am Sonntag.

In Dahlem hat sich auch Peter-André Alt, Präsident der Freien Universität (FU), zur Enthüllung des Schilds angesagt. Er hatte lang dafür gestritten, dass die Station Thielplatz umbenannt wird. Schließlich befinden sich viele Institute und andere Gebäude der FU nahebei.

Vier Bezeichnungen in 27 Jahren

Der bisherige Name der 1913 eröffneten Station an der Linie U3 ist ohnehin ein Kuriosum. Einen Thielplatz wird man in  Stadtplänen und im Liegenschaftskataster vergeblich suchen.  Der  Park neben dem U-Bahnhof und eine Allee in der Nähe sind nach dem deutschen Politiker Hugo Thiel (1839–1918) benannt, der die Domäne Dahlem aufteilte. Doch einen Thielplatz gibt es offiziell nicht. Der Name ist für die Orientierung nur von begrenztem Wert. Es ist aber fraglich, ob es mit der neuen Bezeichnung besser wird. Die FU ist so groß, dass sie auch von anderen Stationen erschlossen wird. So befindet sich das Studierenden-Service-Center, wo zum Beispiel die Einschreibung stattfindet, am U-Bahnhof Dahlem-Dorf.

Die Station Neue Grottkauer Straße an der U5, die derzeit für 7,5 Millionen Euro umgebaut und aufgehübscht wird, soll künftig  IGA-Bahnhof sein. Dort werden die Besucher der Internationalen Gartenausstellung, die nebenan im April 2017 ihre Tore öffnet, ankommen. Nach der Schau wird der  Kienberg, auf dem mit dem „Wolkenhain“ ein Aussichtspunkt entsteht,  Mittelpunkt eines Naherholungsgebiets, das  ohne Eintrittsgeld zugänglich ist.

Mit der nun anstehenden Umbenennung erhält die Station im Osten den vierten Namen innerhalb von 27 Jahren – das ist selbst in Berlin rekordverdächtig. Als sie am 1. Juli 1989 eröffnet wurde, hieß sie U-Bahnhof Heinz-Hoffmann-Straße – nach dem Armeegeneral und langjährigen Verteidigungsminister der DDR. Vom 3. Oktober 1991 an trug sie den Namen Grottkauer Straße – nach Grottkau, das seit 1945 in Polen liegt und dort Gródkow genannt wird. Zum 29. September 1996 wurden wieder neue Namenschilder montiert: Neue Grottkauer Straße.

Kosten in sechsstelliger Höhe 

Bei jeder Umbenennung fallen erhebliche Kosten an. So muss die BVG nicht nur Liniennetze, Fahrpläne und alle anderen Medien für die Kundschaft ändern, auch intern ist der Aufwand hoch. Selbst auf Kabelleitungsplänen und bei den Signalbezeichnungen ist der Stationsname oder das Kürzel (im Fall der Station an der Linie U5 GK) anzupassen. Insgesamt ist von einem hohen sechsstelligen Betrag die Rede, in Senatskreisen spricht man von fast einer halben Million Euro.
In den beiden aktuellen Fällen konnten die Gesamtkosten jedoch gesenkt werden. Von den Ausgaben her ist es egal, wenn ein neuer Name oder mehrere neue Namen ins Liniennetz einzutragen sind. Und weil in Dahlem der alte Name als Zusatz erhalten bleibt, muss die BVG ihr internes Kürzel T nicht verändern.

„Bahnhofsnamen sind nicht sakrosankt. Sie müssen die Realität abbilden“, so Wieseke. Sein Verband habe gegen die Umbenennungen nichts einzuwenden. Die nächste Änderung ist schon in Sicht: Der S-Bahnhof Betriebsbahnhof Schöneweide soll ab Ende 2017 oder 2018 Johannisthal heißen, so der Senat.