Berlin findet derzeit längst nicht genug ausgebildete Grundschullehrer. Deshalb werden verstärkt Studienräte und Quereinsteiger dort eingesetzt. Ein Grund dafür: Der Senat und auch die Universitäten haben es über Jahre versäumt, genug Grundschullehrer in Berlin auszubilden. Mit einem millionenschweren Programm soll das nun anders werden.

175 Absolventen auf 1000 zu besetzende Stellen

Die Zahl der Anfänger-Studienplätze soll bereits zum Wintersemester 2016/17 verdoppelt werden, kündigte Wissenschaftssenatorin Sandra Scheeres (SPD) an. 540 Studenten können dann das Bachelor-Studium aufnehmen. Zur Einordnung: In diesem Jahr suchte Berlin 1000 neue Grundschullehrer, von den Berliner Universitäten kamen aber nur gut 175 Absolventen. Humboldt-Universität (HU) und Freie Universität (FU) erhalten nun zunächst eine zusätzliche Summe von 3,1 Millionen Euro, ab 2019 werden es rund 6,1 Millionen Euro sein.

So steht es in der Vereinbarung, die HU-Präsident Jan-Hendrik Olbertz, FU-Präsident Peter-André Alt und Senatorin Scheeres am Montag unterschrieben haben. Beide Uni-Präsidenten gehen davon aus, dass sie damit jeweils vier neue Professuren werden einrichten können. „Mit voller Ausstattung“, sagte Olbertz, der eine Professur speziell für den Übergang von Kita zur Grundschule einrichten will. „Die Elementarpädagogik ist ganz wichtig für die Schule.“

FU-Präsident Alt will neue W3- und W2-Professuren im Bereich Mathe, Deutsch und Sachkunde einrichten. Zudem wird die FU erstmals auch Sonderpädagogen ausbilden und hiefür auch eine Professoren-Stelle einrichten, wie es hieß. Allerdings werde das wegen des leer gefegten Bewerbermarktes generell nicht einfach werden, merkte Alt an. Wieso aber konnten jahrelang so wenig Grundschullehrer ausgebildet werden, obwohl die Nachfrage nach diesen Studienplätzen doch groß war? Naja, die demografischen Prognosen seirn lange von sinkenden Schülerzahlen ausgegangen, geben die Uni-Präsidenten zu bedenken.

Dann aber wuchs die Bevölkerung, zudem mussten bisher 20.000 Flüchtlinge ins Berliner Schulsystem aufgenommen werden. Gleichzeitig gingen viele Lehrer in Pension, man führte die Altersermäßigung wieder ein, der sonderpädagogische Betreuungsbedarf stiegt und die Schulen mussten mehr Lehrer abstellen, um Quereinsteiger und Referendare zu betreuen.

Kritik an Senat

War das wirklich nicht absehbar? Grünen-Bildungspolitikerin Stefanie Remlinger sagt, dass der Mehrbedarf schon bei Scheeres Amtsantritt 2011 absehbar gewesen sei. Und 2013 habe Scheeres eigene Bildungsverwaltung einen jährlichen Mehrbedarf von 1700 bis 2000 Lehrerstellen prognostiziert. „Dennoch schrieb Scheeres in den Hochschulverträgen 2014-2017 den alten Bedarf von insgesamt 1000 Lehramtsabsolventen einfach fort“, sagte Remlinger.

HU-Präsident Olbertz gibt zu bedenken, dass Grundschullehrer ja im Vergleich zu Studienräten schlechter bezahlt und in Berlin Lehrer anders als in anderen Bundesländern nicht verbeamtet würden. Daraufhin kündigte Scheeres an, dass eine Angleichung der Grundschulgehälter an das Studienratsniveau im SPD-Wahlprogramm enthalten sein werde.

Klar wurde, dass die Grundschulstudienplätze allein an der HU zuletzt um ein Drittel überbucht waren. Und auch an der FU sollen zuletzt deutlich mehr Studenten als offiziell geplant auf Grundschullehramt studiert haben. 2017 werden die neuen Hochschulverträge unterschrieben. Diese sollten sorgfältig vorbereitet werden.