Kompliziert in der Herstellung, damit teuer und von neuen, moderneren Materialien längst überholt: Das Formen von Neonröhren ist eine Handwerkskunst, die es heute nur noch selten gibt. LED-Schilder haben den Markt als Massenprodukt überflutet, und sind aus der Ferne in der Tat kaum vom Neonlicht zu unterscheiden, dafür günstiger und leichter in der Herstellung.

Diese Argumente ließen die drei Unternehmensgründer von Sygns nicht gelten und zogen 2014 mit Neon ihr Geschäft auf: In Kreuzberg gestalten und produzieren sie Dekorationen, Werbeschilder und Kunstobjekte aus Neonlicht in allen Größen, Formen und Farben. Die Programm reicht von einfachen Standleuchten bis hin zu großen Wandinstallationen.

Kunden sind große Unternehmen wie Adidas, das Schaufensterdekoration für 15 Stores in Europa bei dem Berliner Unternehmen in Auftrag gab oder Mercedes Benz, wo man sich für die Fashion Week ein übergroßes Neon-Logo wünschte.

Auch große Kunstaktionen hat Sygns mitgestaltet. Wie etwa zur Bundestagswahl 2017 eine Installation der Künstlerin Mia Weiss, die vor dem Berliner Reichstag mit den überlebensgroßen Lettern „Now“ in leuchtenden Neonfarben protestierte und so auf die Bedürfnisse von Frauen in den Bereichen Politik, Wirtschaft und Gesellschaft aufmerksam machte.

Aussterbende Branche

Angefangen aber hatte eigentlich alles damit, Installationen günstig zu produzieren, um sie auch für Privatkunden erschwinglich zu machen.

Dass das nicht so ganz einfach ist, hängt mit dem großen Produktionsaufwand zusammen. Neongas muss aufwendig extrahiert werden, um es als Leuchtstoff zu verwenden – in Glasröhren, die von Glasbläsern in die gewünschte Form oder den gewünschten Schriftzug gebracht werden müssen. Und das ist einer der aussterbenden Berufsstände. „In Berlin allein gehen nur noch zwei Glasbläser aktiv ihrem Handwerk nach“, sagt Nils Lehnert, Gründer von Sygns. Beide konnte man für ihr Projekt gewinnen. Weitere warb man in Italien oder Polen an, man musste den Radius weiterziehen, die Glasbläserei und damit das handgemachte Neon-Geschäft ist eine aussterbende Branche.

Nun läuft das Geschäft, nach eigenen Angaben ist man mittlerweile profitabel, vor allem durch die Großaufträge. Aber auch Privatkunden können weiter Neonlicht-Installationen bestellen, selbst designt mit eigener Handschrift oder aus den Produktlinien von Sygns wählen. Sie liefern über das Internet weltweit.

Das 25-köpfige internationale Team kooperiert auch mit externen Künstlern, Designern und Ingenieuren. Neben Berlin eröffnete Mitgründer Max Elverfors einen Zweit-Sitz in Kopenhagen. Direkte Konkurrenz gibt es wenig. „Wir sehen die größte Konkurrenz eher in anderen Materialien und in billigerer Verarbeitung“, sagt Lehnert. Ein wenig umgeschwenkt haben sie schon – auch wenn Neon ihr Hauptgeschäft ist, wünscht der Kunde es, produzieren sie Objekte auch mit LED-Licht.