Manuela W. aus Biesenthal ist am Freitag eine Stunde eher aufgestanden als sonst – etwa gegen 4.45 Uhr. Jeden Arbeitstag fährt sie mit dem Auto nach Bernau, stellt es auf einem Parkplatz ab, um mit der S-Bahn weiter nach Berlin zu kommen. Sie wusste, dass die Linie S 2 ab diesem Morgen für vier Wochen gesperrt ist und statt der Züge Busse bis zum S-Bahnhof Blankenburg fahren. Auch mit einer im Vergleich zur S-Bahn doppelt so langen Busfahrt hatte sie gerechnet. Doch was sie erlebte, überstieg dann doch ihre Vorstellungskraft.

„Ich hatte nicht damit gerechnet, dass es so krass wird. Eine Stunde und zehn Minuten habe ich gebraucht. Die Busse steckten schon in Buch im Stau fest“, sagt Manuela W. Insgesamt 2,5 Stunden war sie unterwegs, eine Stunde länger als sonst. Die Busse hätten vor allem auf der Bucher Straße vor einer Ampel gestanden, ähnlich war es auch auf der Straße Alt-Blankenburg. „Der Busfahrer war so freundlich und hat Fahrgäste auch an der Kirche aussteigen lassen, sodass sie zum S-Bahnhof Blankenburg laufen konnten“, berichtet Manuela W.

Wie ihr erging es am Freitagmorgen Tausenden Berufspendlern aus Brandenburg sowie Berlinern aus Buch und Karow, die auf den Schienenersatzverkehr angewiesen sind. Die Bahn hatte am Freitagmorgen die Bahnstrecke der S 2 in Pankow gesperrt. Einen Monat lang fahren zwischen Bernau und Blankenburg keine Züge, weil ein neues elektronisches Stellwerk in Betrieb genommen wird. Dabei wird die komplette Sicherheitstechnik getestet. Auf vier Kilometern Länge erneuert die Bahn zudem Gleise und Schwellen.

Mangelnde Koordination

Die Baustelle auf der S-Bahnlinie 2 gehört zu den größten Baumaßnahmen in Berlin, die Alexander Kaczmarek, der Konzernbevollmächtigte der Deutschen Bahn für Berlin, in der vergangenen Woche angekündigt hat. In diesem sowie im kommenden Jahr investiert das Unternehmen jeweils 470 Millionen Euro in sein Berliner Schienennetz, auch Bahnhöfe werden saniert und Sicherheitstechnik installiert.

Dass die Busse in Pankow hoffnungslos im Stau stecken werden, hatte der Allgemeine Deutsche Automobil-Club (ADAC) erwartet. „Es ist ein Skandal, dass die Bahnbaustelle nicht mit den Straßenbaustellen in der Region koordiniert wurde“, kritisiert Jörg Becker vom ADAC. „Wenn die Ersatzbusse im Stau stehen, konterkariert das unsere Bemühungen, die Berufspendler vom Auto wegzubekommen und zum Umsteigen auf öffentliche Verkehrsmittel zu bewegen“, sagt Becker.

Eine Abstimmung zwischen der Bahn, dem Bezirk Pankow und der Verkehrslenkung Berlin bei der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung habe gefehlt. Vor allem die Baustellen in der Wiltbergstraße in Buch sowie Alt-Blankenburg stellen auf der Strecke Nadelöhre dar. So deutlich äußert sich der Automobil-Club selten. Doch die lange Reisezeit sei für Berufspendler über vier Wochen nicht zu verkraften. Becker fordert, dass die Ampelschaltungen angepasst werden. Möglicherweise könnte auch eine Expressbuslinie eingerichtet werden, die direkt von Bernau nach Blankenburg fährt und andere Straßen zum Beispiel die Autobahn nutzen kann, so Becker.

Mehr als 100 Busse setzt die Bahn im Schienenersatzverkehr ein. Doch die Strecke ist 21 Kilometer lang. Die Bahn hatte prognostiziert, dass die Busse bis zu 48 Minuten unterwegs sein werden, die S-Bahn braucht nur 20 Minuten. Wie Bahnsprecher Burkhard Ahlert sagt, waren die Busse wegen des starken Verkehrs am Morgen zwischen 8 und 9.30 Uhr etwa 20 bis 40 Minuten länger unterwegs. „Wir beobachten die Situation sehr genau, ob wir nachjustieren müssen“, sagt der Sprecher. Geprüft werde unter anderem, Fahrtrouten zu ändern und auch Expressbuslinien einzurichten, so Ahlert. Viele Fahrgäste der S-Bahn seien auch auf die Regionalzüge umgestiegen. Einzelne Züge hatten nur wenige Minuten Verspätung.

Manche Fahrer sind ortsunkundig

Einmal in den Ersatzbus eingestiegen, mussten die Fahrgäste jedoch im Stau aushalten. Eine Frau berichtet, sie habe von Karow nach Blankenburg eine Stunde benötigt. Ein Mann sagt, einige Busfahrer seien ortsunkundig gewesen und hätten sich in Zepernick verfahren und mussten umständlich wenden. „Zwei fehlende Stunden pro Tag kann ich in diesem Monat kaum herausarbeiten. Eine Kompensation der S-Bahn für Dauerkunden als Leidtragende dieser Zumutungen wären mehr als angemessen“, sagt der Mann. Manuela W. hat vom Busfahren und den Staus erst einmal genug. Sie will nun ausprobieren, ob es mit dem Regionalzug besser funktioniert: „Ich hoffe, dass ich schneller bin.“