Eine gute Nachricht für die Fahrgäste in Berlin und Brandenburg: Aller Voraussicht nach wird es diesem Jahr keine Fahrpreiserhöhung geben. Nach Informationen der Berliner Zeitung geht man in Senatskreisen davon aus, dass die Tarife der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG), der S-Bahn und der anderen Unternehmen erst 2015 wieder steigen – als wahrscheinlich gilt eine Anhebung zum 1. Januar. Wenn es wirklich so käme, könnten sich die Berliner bei den Brandenburgern bedanken. Denn dort haben sich Politiker dem Vernehmen nach für eine Verschiebung ausgesprochen.

Sie wollen sich ihre Wahlchancen nicht durch eine Fahrpreiserhöhung schmälern lassen, so hört man. Für den 25.?Mai ist im Land Brandenburg nicht nur die Europawahl angesetzt, auch die Kommunalparlamente werden gewählt. Am 14. September ist Landtagswahl.

Auch in Berlin gibt es Forderungen, auf eine Preiserhöhung zu verzichten. „Ich bin der Meinung, dass man 2014 überspringen könnte“, sagte Ole Kreins, verkehrspolitischer Sprecher der SPD-Fraktion, der Berliner Zeitung. „Es wäre möglich, damit bis zum nächsten Jahr zu warten.“ Die BVG erhalte bereits vom Land mehr Geld?– in diesem Jahr 21,5 Millionen, im kommenden Jahr 25 Millionen Euro mehr als 2012.

Andere Beobachter ergänzten, dass die Fahrgeldeinnahmen des Landesunternehmens bereits im vergangenen Jahr stark gestiegen seien: um 34 Millionen auf mehr als 603 Millionen Euro. Die Ausgaben für Strom und Kraftstoff hätten dagegen nur moderat zugenommen. Im vergangenen Jahr gab die BVG für Energie 113,2 Millionen Euro aus, drei Jahre zuvor waren es 109?Millionen Euro.

„Schwarze Null“ geplant

Der Aufsichtsrat des Verkehrsverbunds Berlin-Brandenburg, in dem die Länder, Landkreise und kreisfreien Städte vertreten sind, müsste laut Wirtschaftsplan eigentlich eine Erhöhung beschließen. Doch während seiner jüngsten Sitzung Ende Februar befasste er sich nicht mit dem Thema. „Bei den politisch Verantwortlichen ist das Thema im Moment nicht aktuell,“ hieß es. Dabei ist es offenbar geblieben. Die nächste reguläre Sitzung ist erst für Mai vorgesehen. Dann wäre es zu spät, noch eine Anhebung für den kommenden August zu beschließen. Zuletzt waren die Preise im vergangenen August um durchschnittlich 2,8 Prozent gestiegen.

Doch BVG-Chefin Sigrid Evelyn Nikutta lässt nicht locker. Sie hält an ihrem Plan fest, die Fahrpreise auch in diesem Jahr anzuheben – möglichst noch im Sommer. Die Regel müsse lauten: „Die Tarife sollten mäßig, aber regelmäßig steigen“, sagte sie am Montag. Wenn die Fahrpreise jährlich erhöht werden, müssten Steigerungen nicht so hoch ausfallen. Preiserhöhungen seien auch nötig, weil die Personalkosten gestiegen sind und voraussichtlich weiter ansteigen werden.

Die BVG und ihr Aufsichtsratsvorsitzender, Finanzsenator Ulrich Nußbaum (parteilos), verfolgen ihr Vorhaben auch aus anderem Grund weiter. Denn ihre Finanzplanung, die nach Verlusten erstmals für 2016 eine „schwarze Null“ in der BVG-Bilanz ausweist, setzt jährliche Fahrpreiserhöhungen voraus. Pausen sind nicht vorgesehen.

Die BVG setzt sich auch dafür ein, Tarifanhebungen nach einem Index zu berechnen – einer Maßzahl, die sich aus dem Durchschnitt der Preissteigerungen anderer Verkehrsunternehmen bemisst. Sie würde sich um die Drei-Prozent-Marke bewegen. Dafür gibt es aber noch keine Mehrheit. Ein Index wäre zwar denkbar, sagen Experten. Doch er sollte sich an der allgemeinen Preissteigerungsrate orientieren. Die liegt deutlich niedriger.