Berlin bein Nacht: Dass, Strom, Wasser und Gas aus den Leitungen kommen, ist eine Selbstverständlichkeit.
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BerlinDas Coronavirus treibt die Strom-, Gas- und Wasserversorger an die Grenzen ihrer Kapazität. In der Vergangenheit wurden meist die Szenarien eines Terrorangriffs, eines Giftanschlags oder eines großen Unfalls geübt. Mit  einer Virus-Pandemie haben sich Behörden und Versorgungsbetriebe meist nur theoretisch beschäftigt.

Doch auch die Strom-, Gas- und Wasserversorger müssen als Teil der sogenannten kritische Infrastrukturen damit rechnen, dass eines Tages in ihren Leitwarten ein Mitarbeiter infiziert ist und dann eine ganze Schicht in Quarantäne muss. Dann wird in Berlin trotzdem nicht sofort das Licht ausgehen und der Wasserhahn trocken bleiben.

Die Versorgungsbetriebe verweisen, wie auch die Sicherheitsbehörden, auf betriebliche Notfall- und Pandemiepläne, in denen Schritte zum Schutz der Mitarbeiter festgeschrieben sind. Wenn etwa im Fünf-Schicht-Betrieb eine der drei eingesetzten Schichten ausfällt, muss eine der beiden Frei-Schichten ran. Bereits jetzt wird in den Versorgungsbetrieben das Personal reduziert, bevor ein Infektionsfall auftritt.

Personal wird reduziert

Etwa bei den Berliner Wasserbetrieben. „Aus vorsorglichen Gründen wurden heute jene Mitarbeiter mit Bürotätigkeiten entweder ins Home-Office oder in Telearbeit geschickt“, sagte Unternehmenssprecher Stephan Natz am Dienstag. „Es werden auch andere Mitarbeiter freigestellt, um sie gesund zu halten.“ Nach seinen Worten sollen sie im Ernstfall zur Verfügung stehen.

Die Wasserbetriebe haben unter anderem Leitwarten in den drei großen Wasserwerken Friedrichshagen, Tegel und am Wannsee. Sie sind rund um die Uhr besetzt. Laut Natz kann im Notfall ein Wasserwerk das andere mitsteuern. Eine zentrale Schaltwarte an der Holzmarktstraße in Mitte steuert die Abwasserströme. Eine Funkleitzentrale, die rund um die Uhr besetzt ist, steuert den Entstördienst, der unter anderem zu Wasserrohrbrüchen ausrückt.

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In den Leitzentralen und Schaltwarten der Berliner Versorgungsbetriebe wurden nicht nur die Dienstpläne geändert. Gegebenenfalls – so bisherige Überlegungen – soll auch weiteres Personal angelernt werden, das sich auf einfache Überwachungstätigkeiten konzentriert. Bei den Katastrophenschützern der Senatsinnenverwaltung gibt es auch Gedankenspiele, Personal ohne Kontakt zur Außenwelt in den Betrieben vorsorglich zu „kasernieren“.

Gruppen stehen nicht in Kontakt zueinander

Doch momentan werde noch nicht daran gedacht, sagt Olaf Weidner, Sprecher der Stromnetz Berlin GmbH. Weidner ist sich sicher: Das Licht wird in Berlin nicht ausgehen. „Wir versuchen, mit möglichst kreativen Ideen, unser Personal zu schützen.“ Ins Detail will er dabei nicht gehen.

Nach seinen Worten werden die Schichtpläne entsprechend umgebaut: Technisches Schlüsselpersonal werde in Gruppen unterteilt, die nicht zueinander Kontakt haben. Wenn eine Gruppe in Quarantäne muss, übernimmt die andere. „Tätigkeiten werden doppelt belegt“, so Weidner. Aus zwei separaten Räumen gebe es die Möglichkeit, das Berliner Stromnetz zu steuern. Auch Pannen im Netz würden weiter behoben, so Weidner. Die Entstörteams hätten dafür ihre Materialbestände aufgefüllt.

Was zurzeit ausfällt, ist allerdings der turnusmäßige Zählertausch in Wohnungen, wie auch das Zählerablesen in Wohnungen, weil dies mit direktem Kundenkontakt verbunden wäre. Geschlossen sind auch die Kundencenter der Stromnetz Berlin GmbH in der Schönhauser Allee und der Treptower Eichenstraße.

Am Donnerstag und Freitag wird der Ernstfall geprobt

Auch die Gasversorger sind alarmiert. An diesem Donnerstag und Freitag üben Gasag und die Netzgesellschaft NBB den Ernstfall. Dann werden beide Häuser am Hackeschen Markt leer sein. Alle Mitarbeiter, bei denen es technisch möglich ist, sollen von zu Hause aus arbeiten. „Bei uns greifen bereits erhöhte Sicherheitsmaßnahmen“, sagt NBB-Sprecher Andreas Wendt. So habe zur Leitwarte nicht mehr jeder Zutritt. Allen Mitarbeitern wurde nahe gelegt, auf öffentliche Verkehrsmittel zu verzichten.

Demnächst soll bei jedem Mitarbeiter regelmäßig die Körpertemperatur gemessen werden. „Eine Task-Force bewertet jeden Tag die aktuelle Lage neu“, sagt Wendt. „Seit Wochen sind wir in ständigem Kontakt mit den anderen Berliner Netzbetreibern und dem Senat.“ Und was ist, wenn doch jemand die Leitwarte mit Corona verseucht?  Wendt: „Die Leitwarte ist mit einer großen Zwischenwand getrennt. Man kann dann zwei draus machen.“