Moabit - Zeitweilig hatte Berlin den zweitgrößten Binnenhafen Deutschlands. Und er ist noch heute in Betrieb – auch wenn der Westhafen in Moabit nicht mehr zu den allergrößten Umschlagplätzen Deutschlands gehört. Immer noch werden riesige Mengen an Baustoffen und Maschinenteilen über den Westhafenkanal, den Spandauer Schifffahrtskanal und weiter über Spree und Havel in überregionale Gewässer verschifft. Angeschlossen an die Schiene ist der Hafen direkt an der Ringbahn. So findet der Warentransport fast seit hundert Jahren statt.

Seine Entstehungsgeschichte reicht sogar bis ins Jahr 1895 zurück, als die Berliner Kaufmannschaft den Bau eines solchen Hafens forderte, um den steigenden Warentransport aus Berlin zu bewerkstelligen. Der Bau dauerte laut Berliner Denkmaldatenbank (schon damals) etwas länger. So soll er sich durch Grunderwerbsverhandlungen und Streitigkeiten mit der Eisenbahnverwaltung reichlich verzögert haben. Doch seit 1923 werden dort Schiffe be- und entladen. Betreiber ist seither die Berliner Hafen- und Lagerhausgesellschaft (Behala), die ebenso den Südhafen in Spandau und den Hafen Neukölln abwickelt.

Das Umschlagsvolumen der Berliner Binnenhäfen ist gesunken

Einige Gebäudeteile sind mittlerweile umfunktioniert worden. So werden heute die alten Speichergebäude nicht mehr benötigt. Wo früher mal Getreide lagerte, ist heute die Zeitungsabteilung der Staatsbibliothek Preußischer Kulturbesitz untergebracht. Und in der denkmalgeschützten Lagerhalle 1 befindet sich seit 2015 eine Eventlocation.

Das Umschlagsvolumen der Berliner Binnenhäfen ist in den vergangenen Jahren gesunken. Betrug es Anfang der 90er-Jahre noch fast neun Millionen Tonnen jährlich, sind es heute knapp vier Millionen, davon entfallen etwa 600 000 Tonnen auf den Schiffsverkehr.

Ein Zukunftsprojekt der Behala: Die autonome Schifffahrt

Auch mit Fachkräftemangel hat die Branche zu kämpfen. Und wird deshalb erfinderisch: Schon in den nächsten Jahren sollen erste autonome Schiffe auf Berlins Gewässern fahren. Im September startet ein solches Pilotprojekt, initiiert vom Westhafen-Betreiber Behala. „Wir wollen die Wasserstraßen für die Schifffahrt wieder wirtschaftlicher machen“, sagt Klaus-Günter Lichtfuß, Logistikchef der Behala.

Für den Schifffahrtsverkehr ist eine Mindestbesatzung vorgeschrieben. Deshalb lohnt es sich nicht, kleinere Schiffe aufs Wasser zu schicken – könnte man Personal ganz einsparen, könnte man auch mehr Frachter auf die Reise schicken. Die Idee sei, dass „kleine, flexible Binnenschiffe miteinander kommunizieren, ihre Routen selbst berechnen und ihre Ladung eigenständig an Umschlagpunkten auf- und abladen können“, erklärt Lichtfuß. Angetrieben werden sollen die Schiffe elektrisch. Noch ist das Zukunftsmusik, aber der erste Test auf dem Wasser sei in drei Jahren denkbar.