Berlin - Berlins Unternehmer glauben daran, dass sich der wirtschaftliche Aufschwung in der Stadt unvermindert fortsetzt. Deutllich mehr Personal soll eingestellt werden. Das geht aus der Mittelstandsumfrage 2016 der Berliner Sparkasse hervor, die gemeinsam mit dem Beratungsunternehmen DIW Econ Berlin durchgeführt wurde. Die Unternehmen wollen kräftig investieren, wünschen sich aber weniger Bürokratie in ihrer Stadt.

Exzellente Lage: Das Geschäftsklima der Unternehmen der Hauptstadtregion befindet sich auf dem höchsten Niveau seit 2005. Wie schon im Vorjahr wird es auf einer Skala von einem Punkt (sehr schlecht) bis zehn (exzellent) möglichen Punkten mit der durchschnittlichen Note 6,7 bewertet. Auffallend sei aber, so heißt es in dem Bericht, dass einige Unternehmen ihre Einschätzung des Geschäftsklimas von einer sehr guten Bewertung zu einer exzellenten Bewertung verändert haben. Vor allem große Unternehmen sind positiver gestimmt als bislang.

Gute Aussichten: Im Einklang mit dem positiven Geschäftsklima rechnen die Unternehmen mit höheren Umsätzen und steigender Beschäftigung. Jede zweite Firma erwartet für das laufende Geschäftsjahr eine Steigerung der Umsätze im Vergleich zu 2015. Die Beschäftigungspläne werden aufgestockt. Während 2015 knapp ein Viertel der Unternehmen mehr Mitarbeiter für 2016 erwartete, plant dieses Jahr rund ein Drittel mit mehr Mitarbeitern für 2017. Überall wird über einen Mangel an Fachkräften geklagt. Kein Wunder, dass deshalb mehr als die Hälfte der befragten Unternehmen (56 Prozent) die Gewinnung qualifizierter Nachwuchskräfte als Herausforderung für die Zukunft ansieht.

Klare Prognose: „Berlin wird auch künftig stärker wachsen als der Bundesdurchschnitt“, prognostiziert der Firmenkundenvorstand der Berliner Sparkasse, Hans Jürgen Kulartz. Immer mehr – insbesondere junge – Menschen kämen nach Berlin und würden hier die Wirtschaft mit ankurbeln. „Die Unternehmen sind auf Expansionskurs, und zwar nicht nur die Gründer- und Start-up-Szene sondern auch viele etablierte Unternehmen.“

Mehr Jobs: Der positive Trend der vergangenen Jahre werde weiter anhalten, sagte Vorstand Kulartz. Die Arbeitslosenquote sei mittlerweile nur noch einstellig, Berlin arbeite sich in der Rangfolge der Bundesländer langsam vor. Kulartz betont, dass sich laut Umfrage die Unternehmer vor allem mehr Flexibilität wünschen. Wenn es einfacher würde, qualifizierte ausländische Fachkräfte einzustellen, würde das die Wachstumschancen weiter verbessern. Fast zwei Drittel der Unternehmen, die für das kommende Jahr Einstellungen planen, können sich vorstellen, geflüchtete Menschen zu beschäftigen.

Sicher aufgestellt: Die Investitionsbereitschaft der befragten Unternehmen ist nach Rückgängen in den letzten Jahren auf dem Niveau des Vorjahres geblieben. Mit 67 Prozent planen rund zwei Drittel der Unternehmen, in den nächsten zwölf Monaten zu investieren. Die Autoren der Umfrage verweisen darauf, dass die Investitionsbereitschaft gedämpft sei, nicht zuletzt aufgrund des Brexit. Jedoch würden „die robuste Binnenmarktnachfrage, günstige Finanzierungsbedingungen und ausgelastete Kapazitäten“ dazu beitragen, dass das Investitionsniveau zumindest konstant bliebe oder moderat ausgeweitet werde.

Digitaler Schub: Die Digitalisierung findet verstärkt Eingang in die Entscheidungen vieler Unternehmen, hat die Umfrage erbracht. „Umso positiver ist zu bewerten, dass der Großteil der Unternehmen die Digitalisierung als Chance betrachtet“, betonen die Autoren. Gefragt nach den Herausforderungen für die nächsten fünf Jahre, stellen sie die Digitalisierung nur auf Platz 5, hinter der Gewinnung qualifizierter Nachwuchskräfte, der Entwicklung neuer Produkte, der Erschließung neuer Märkte und von neuen Vertriebswegen. Die Regelung der Unternehmensnachfolge liegt nur geringfügig hinter der Digitalisierung. Hemmnisse sehen die Manager vor allem darin, dass digitale Lösungen oftmals noch nicht ausgereift seien, in in mangelnder Sicherheit und im Datenschutz.

Dringende Aufgabe: Die neue rot-rot-grüne Koalition müsste nach Auffassung der Sparkasse die Bürokratie abbauen, über die Investoren häufig klagen. „Baugenehmigungen werden oft quälend langsam erteilt“, sagt Kulartz. Angesichts des knappen Wohnungsangebots müssten dringend mehr Wohnungen gebaut werden.