Berlin - Ein netter Leser hat mir ein kleines Büchlein geschickt. Es heißt „Berlinisches“ und stammt von 1979. Darin geht es unter anderem um die Bedeutung von Zahlen im Berlinischen. Ich habe mir auch ein paar Gedanken dazu gemacht. Hier eine kleine Berliner Zahlenkunde.

1. „Kiek ma, der steht wie ’ne Eins“, erklärt der Hobbybastler, bevor der gerade gebaute Schrank umfällt. „Uff een Been kann man nich stehn“, sagt der Kneipier, wenn er einem den zweiten Schnaps eingießt.

2. Manche Berliner zischeln die Zwei gerne. Sie sagen: „Wir sswee beede ham heut noch wat vor“ oder „Du kannst ja keene sswee Minuten stille sitzen“.

3. Man denkt „um drei Ecken“, man „heult Rotzblasen und Dreierschnecken“ (Backwerk, das man einst billig „für’n Dreier“, also drei Pfennige gekriegt hat). Eine lange Zeitspanne nennt man „ewig und drei Taare“.

4. Wer frei hat, streckt gern „alle viere von sich“.

5. „Fünfe gerade sein lassen“ kommt daher, dass man sich nicht streiten soll, wenn jemand behauptet, die Fünf sei eine gerade und keine ungerade Zahl. Also: einfach entspannen! Es heißt übrigens „fümwe“.

6. Als „Sechser“ bezeichnen alte Berliner das, was für jüngere Berliner „’n Fünfer“ ist, also ein Fünf-Cent-Stück. Noch im frühen 19. Jahrhundert war „’n Sechser“ ein halber Groschen (zwölf Pfennige).

7. „Du stehst da wie Pik Sieben!“, lautet eine bekannte Wendung, die aus dem Kartenspiel kommt.

8. Auf der Rollschuh- oder Eisbahn konnte man „Achten drehn“ (also achtförmige Figuren laufen). Auch die „Achterbahn“ kommt daher. Auf einer Karikatur von 1829 will ein junger Mann zwei Mädchen mit Wasser bespritzen. Die rufen: „Sie Mühlendammscher Jüngling, peplantschen Se uns nich die rene Strümpe mit Ihre nasse Achte!“

9. „Ach du jrüne Neune!“, ruft man, wenn man über etwas erschrickt, und „Alle Neune!“, wenn einem was runterfällt (das stammt vom Kegeln).

10. Die Zehn wird ebenfalls gern gezischelt. Beispiele: „Keene ssehn Ferde kriejen ma da hin“ – „Det stinkt ja ssehn Meilen jejen den Wind“ – „Jegrölt hatta wie ssehn besoffene Ritter.“

11. Der Berliner sagt nicht „elf“. Er sagt „ölwe“ und wenn es um die Uhrzeit geht „um Ölm“.

12. Manchmal gibt’s in Berlin „wat uff de Zwölf“.

13. „Jetzt schlägt’s Dreizehn, schlimmer kommt’s nicht“, sang einst Rio Reiser. Auch im Berliner „Aberglohm“ gilt die Dreizehn als Unglückszahl.

14. Zur Zahl Vierzehn hab ich in einem Buch einen schönen Spruch gelesen, der zeigt, dass für den Berliner die Buchstaben „f“, „v“ und „pf“ alle gleich sind: „Firrzehn Ferde fressen fünf Fund Fannkuchen, du Feife – und det kost ma keen Fennich.“

15. Die „Fuffzehn“ (Arbeitspause) soll von den Steinsetzern und Rammern im 19. Jahrhundert stammen, die wegen ihrer schweren Arbeit nach 15 Minuten eine Pause von fünf Minuten einlegten. Danach rief der Vorarbeiter „Fuffzehn!“, und es wurde weitergearbeitet. Heute denkt mancher, die Pause selbst habe 15 Minuten zu dauern. Irrtum!