Es ist  einer der letzten Sonnentage. Man hätte es ahnen müssen, dass die Schlangen lang sind an den Kassen des Berliner Zoos, doch das Kind bestand drauf. 

Im Getümmel vor dem millionenteuren neuen Panda-Gehege schubsen Kampfmütter ihrem lärmenden Nachwuchs einen Platz  an der Scheibe frei. Das Bedürfnis, niedliche Knuddeltiere zu sehen, ist groß. Mit mehr als drei Millionen Besuchern liegt der Berliner Zoo auf Platz eins im Besucherranking der deutschen Tiergärten. Mehr als 19.400 Tiere sind hier eingesperrt.

An diesem schönen Tag sind viele ungezogene Kinder zu hören und viele traurige Tiere zu sehen.  Der Leopard liegt mit leerem Blick im Käfig und lässt sogar eine leckere blutige  Keule links liegen. Er muss sich nicht um sie bemühen, für seine Beute viele Kilometer laufen, durch Büsche schleichen.

Der Adler sitzt still auf einem Ast. Der stolze Vogel braucht seinen Adlerblick nicht, um kreisend am Himmel die Maus zu erspähen. Auf den Sandboden vor ihm hat man tote Mäuse hingeworfen.

Der Ameisenbär läuft am Gitter hin und her und hin und her. Das wirkt irre. Ein Mann mit Boxerhaarschnitt drischt mit einer Plastikflasche immer wieder gegen den Käfig, in dem Orang Utans hausen. Sie sind im Zoo geboren, ist zu lesen. Sie wissen also nicht, wie es im Dschungel von Borneo ist.  Am Zwinger der Eisbären ist heute nichts los. 2011 drehte sich dort Knut ein paar Mal um sich selbst und plumpste dann tot mit einer Gehirnentzündung  ins Wasser. Der Liebling der Berliner steht jetzt ausgestopft im Naturkundemuseum.

Tonja, die Eisbärenmutter, fraß Ende 2016 eines ihrer Kinder auf, ihr zweites mit dem Namen „Fritz“ starb an Organversagen – Ursache unbekannt. Vielleicht ist es einfach so, dass Tiere nicht in einen Zoo gehören und dass sich ihr Elend auch nicht mit dem edelsten pädagogischen Grund oder hohen Besucherzahlen rechtfertigen lässt.

Man liest jetzt, dass sich Tonja erneut in ihre Wurfhöhle zurückgezogen hat. Das klingt nicht gut.