Berlin - Zurecht freuen sich die Berliner mit dem Zoologischen Garten über das neue, doppelte Panda-Glück. Weibchen Meng Meng hatte am Sonnabend Zwillinge zur Welt gebracht. „Sie ist nach der Geburt noch immer recht erschöpft“, sagte Zoo-Sprecherin Christiane Reiss der Berliner Zeitung am Dienstag. „Dennoch kuschelt das Muttertier sehr liebevoll mit ihren Babys.“ Alle zwei bis drei Stunden wechseln sich die Jungtiere beim Trinken bei Meng Meng ab. Mit der Aufzucht des Panda-Nachwuchses kommt auch viel Arbeit auf die Pfleger zu. Dabei gibt es jede Menge Fragen zu klären.

Wie geht es mit den Jungen weiter?

Noch sehen sie wie Nacktmulle aus, sind blind und taub. Doch bald beginnt das Fell zu wachsen. In etwa einem Monat ist die schwarz-weiße Fellzeichnung ausgeprägt, so Reiss. In dieser Zeit entwickelt sich bei den Jungen auch das Gehör, die Augen öffnen sich.

Welche Risiken bestehen noch?

Das Immunsystem der Jungen muss sich noch stärken, um gegen Infektionen gewappnet zu sein. Dafür sorgt die Muttermilch. Um das Keimrisiko zu minimieren, tragen die Pfleger Schutzkittel und Mundschutz. Sie benutzen Desinfektionsmittel. Der Standard der Panda-Kinderstube entspricht einer Neugeborenen-Station, so der Zoo.

Warum werden die Panda-Jungen im Zoo auch mit der Hand aufgezogen, Eisbären-Jungen im Tierpark nicht?

„Einer der Gründe ist, dass Panda-Mütter nach einer kurzzeitigen Trennung von ihren Jungen den Nachwuchs später auch wieder annehmen. Bei Eisbären ist dies nicht der Fall“, erklärt Reiss. Außerdem hat der Artenschutz für Pandas eine hohe Priorität. Etwa 1864 wildlebende Tiere gibt es noch. Bei den Eisbären sind es über 25000, die in der freien Wildbahn leben.

Warum ist es so schwierig, das Geschlecht festzustellen?

Im Gegensatz zu anderen Tierarten kommen Panda-Junge unreif zur Welt. Viele Körpermerkmale müssen sich erst noch entwickeln. „Daher ist es nicht so einfach, ihr Geschlecht absolut sicher zu erkennen“, sagt Sprecherin Reiss.

Wer vergibt die Namen?

„Die Details sind noch nicht geklärt“, sagt Reiss. Auf jeden Fall werden es chinesische Namen sein, die wohl auch die Chinesen festlegen werden. Denn Meng Mengs Nachwuchs ist Eigentum der Volksrepublik.

Warum zeigt der Zoo Pandas? 

Als Bao Bao 2012 im Zoo starb, wollten die Berliner unbedingt neue Pandas sehen. Das wusste auch Knieriem, als er 2014 der neue Zoo-Chef wurde. Gleich zu Beginn machte er klar, dass es wieder Pandas im Zoo geben wird. Kanzlerin Angela Merkel machte später bei einem Staatsbesuch in China den Deal perfekt. Im Sommer 2017 kamen Meng Meng und das Männchen Jiao Qing nach Berlin, sie werden noch 13 Jahre im Zoo bleiben. „Bambusbären sind nicht nur Publikumslieblinge, sondern auch ein Symbol für die vom Aussterben bedrohten Tierarten“, sagt Reiss.  „Der Zoo will daher mit den Pandas, die er den Besuchern zeigt, auf diese Problematik aufmerksam machen.“

Muss der Zoo für die Babys zahlen?

Ja. Die Pandas und damit auch ihre Jungen sind Eigentum Chinas. Die Volksrepublik verleiht die Bären seit 2007 an westliche Zoos gegen eine Gebühr, um sich so deren Ländern auch politisch anzunähern – die sogenannte Panda-Diplomatie. Der Zoo Berlin zahlt jährlich für Meng Meng und Jiao Qing eine Gebühr von einer Million Dollar (etwa 914.000 Euro) aus dem eigenen Etat. Die Summe für die Jungen wird nicht genannt. Laut Berichten anderer Zoos sind jährlich etwa 174.000 Euro für ein Jungtier fällig. Der Zoo Berlin erhofft sich durch die Panda-Babys einen Besucheransturm und damit Mehreinnahmen, die ein Teil der Kosten decken sollen.

Wer legt die Gebühr fest?

China bestimmt sie. Auch die Strafgebühr von 434000 Euro, sollte ein Panda-Baby im ersten halben Jahr aus Gründen menschlichen Versagens sterben.

Wer erhält das Geld?

Es fließt in das Förderprogramm „Giant Panda Conservation Fund“ in China. 70 Prozent gehen in den Artenschutz wildlebender Pandas, 20 Prozent erhält die Aufzuchtstation. Der Rest deckt Verwaltungskosten. Die Berliner Panda-Jungen können laut Vertrag bis zu vier Jahren im Zoo bleiben. Das chinesische Zuchtmanagement entscheidet, wohin sie dann kommen.