Berlin - Seinen Job als Zoo- und Tierpark-Direktor leistet Andreas Knieriem an zwei Orten: Dienstags und Donnerstag arbeitet er im Tierpark Friedrichsfelde, die anderen Tage im Zoo. Am Donnerstagmittag fährt der 51-jährige Veterinärmediziner gut gelaunt im offenen Elektroauto durch den Tierpark. Zu Fuß würde er zu viel Zeit verlieren, sagt er. Und bei ihm sei nicht der Weg das Ziel. Im Tierpark-Restaurant Kakadu sucht Knieriem einen schattigen Platz unter Bäumen.

Herr Knieriem, in wenigen Tagen kommen die Pandas nach Berlin. Sind Sie aufgeregt?

Erstaunlicherweise nicht. Vielleicht, weil wir schon einige Eröffnungen hinter uns haben. Ich bin ja nicht der einzige Arbeiter auf der Baustelle. Ich gucke dort jeden Tag, wie es voran geht. Der Pavillon steht, die Baustelle wird abgebaut, die Bepflanzung beginnt. Wir werden bis zur letzten Minute zu tun haben. Aber ich kenne das nicht anders.

Am 5. Juli werden Bundeskanzlerin Angelika Merkel und der chinesische Staatspräsident Xi Jinping die Pandas dem Zoo übergeben. Wie bereiten Sie sich darauf vor?

Es finden zurzeit Gespräche statt mit den Verantwortlichen vom Bundeskanzleramt und mit der chinesischen Botschaft. Eine Delegation aus China wird den Staatsbesuch im Zoo mit vorbereiten. Wir haben eine lange Liste mit Wünschen erhalten.

Es gab im Vorfeld eine Reihe von Gesprächen, Besuche und Verhandlungen. Und auch Dinge, die für Irritationen sorgten. Der Regierende Bürgermeister Michael Müller etwa hätte in Berlin wohl auch ganz gern den Vertrag mit dem chinesischen Botschafter unterschrieben.

Den Vertrag über die Panda-Leihgabe hat die chinesische Regierung mit der Zoo AG geschlossen. In diesem Sinne kann auch nur ich als Zoo-Direktor so einen Vertrag unterschreiben.

Von Panda-Diplomatie war oft die Rede …

Vieles passiert in so einem Prozess. Es geht um die Interessen der Politik und des Zoos. Am bescheidensten sind bei all dem die Tiere. Und am Ende werden sich alle freuen, dass es den Pandas in Berlin gut geht. Ich habe ein gutes Gefühl.

Die chinesische Delegation hatte sich kürzlich darüber beschwert, dass das Gehege der Pandas wohl nicht ihren Vorstellungen entspräche: Die Scheiben seien zu niedrig, das Gehege stehe zu dicht bei den Raubtieren, hieß es.

Diese Bedenken waren bei uns so gar nicht zur Sprache gekommen, als diese Delegation bei uns war. Wir waren sehr überrascht, darüber in der Zeitung zu lesen. In der Tat gibt es unterschiedliche Ansichten über die Einhaltung der Richtlinien – übrigens auch in China! Manches lässt sich umsetzen, manches nicht. Wir machen das, was sinnvoll ist.

Mussten Sie das Gehege umbauen?

Manches wurde verändert. So haben wir etwa die Höhe der Scheiben verändert. Der eklatante Unterschied zu der früheren Panda-Anlage ist doch, dass wir jetzt eine große naturnahe Anlage für die Pandas haben, wofür uns die chinesische Delegation sehr gelobt hat. Das frühere Gehege glich doch eher einem überdimensioniertem Gurkenglas.

Sie bemühen sich um die Pandas, seitdem Sie vor drei Jahren Zoo-Direktor in Berlin wurden. Welche Bedeutung haben die Tiere für Berlin?

Wir haben schnell erkannt, dass die Panda-Haltung in Berlin eine der wichtigsten Aufgaben des Zoos sein muss. Uns geht es darum, diese Tiere wieder in Berlin zu etablieren, nachdem der letzte Panda verstorben ist…

Bao Bao war 2012 mit 34 Jahren gestorben und steht jetzt ausgestopft im Naturkundemuseum.

Pandas sind seltene und besondere Tiere und es ist eine sehr hohe Symbolik mit ihnen verbunden. Man bekommt nicht einfach mal so ein paar Pandas aus China. Daran geknüpft sind hohe Auflagen, zum Teil auch Hürden und eine sehr engmaschige Begleitung der chinesischen Behörden. All diese Voraussetzungen können weltweit nur sehr wenige Zoos erfüllen.

Ihre Einrichtung investiert viel Geld, allein das Gehege kostet zehn Millionen Euro. Glauben Sie, dass sich ein Teil dieser Kosten refinanzieren lässt, weil mehr Besucher in den Zoo kommen werden, um die Tiere zu sehen?

Es muss eine wirtschaftliche Komponente geben, das ist ganz klar. Das Geld, das wir für die Pandas im Zoo ausgeben, ist gut investiert. Wir wollen somit das Renommee des Zoos ausbauen. Was mir dabei sehr wichtig ist: Es gibt auch noch den Tierpark und das Aquarium. Diese Einrichtungen möchte ich auch beim Fokus auf die Pandas immer im Blick behalten. Nur ein Beispiel: Wir halten in Berlin die meisten Vögel in ganz Europa. Allein das Vogelhaus im Zoo war deutlich teurer als die Panda-Anlage. Das hinterfragt komischerweise niemand. Allein das Futter für die Vögel kostet mehr als das für die Pandas.

Pandas fressen etwa 40 Kilo Bambus am Tag. Woher kommt die Nahrung?

Nicht aus dem Zoo. Es herrscht hier ein zu kontinentales Klima. Wir haben uns schon vor einem Jahr um die Nahrung für die Pandas gekümmert. Der Bambus wird importiert aus Ländern wie Holland, Belgien und Frankreich. Wir werden den Pandas anfangs bis zu 15 verschiedene Arten Bambus anbieten. Die Tiere sind sehr wählerisch. Der Bambus wird wöchentlich geliefert, in einem Kühlraum im Panda-Gehege gelagert und befeuchtet, damit das Gras nicht austrocknet.

Die Tiere wurden nach bestimmten Kriterien und ihrem Verhalten ausgewählt, damit sie sich zum Paaren eignen. Wann rechnen Sie mit Nachwuchs?

Theoretisch gesehen könnte das Frühjahr 2018 schon spannend werden. Dann heißt es Daumen drücken, dass die beiden sich auch mögen. Die Gene müssen zueinander finden. Von Berufs wegen ist der Panda ja eher faul. Es gibt nur eine kurze saisonale Phase, in der die Tiere attraktiv und reizvoll füreinander sind. Symbolisch gesprochen macht das Männchen den Knopf auf und das Weibchen legt noch mal nach beim Eau de Toilette. Wenn sich die Tiere länger mögen, wird das ein Bruder-Schwester-Verhältnis. Und das wollen wir ja auch nicht.

Und was planen Sie, wenn sich zwischen den beiden nun gar nichts tut?

Man kann es dann mit einer künstlichen Befruchtung versuchen, wir haben die Fachkollegen dafür in Berlin. Möglich wäre auch, eines der beiden Tiere auszutauschen. Das müssten wir alles mit den Chinesen diskutieren. Aber nun warten wir erst mal ab. Man redet doch nicht über die Scheidung, bevor überhaupt eine Hochzeit stattgefunden hat!

Wann können Zoo-Besucher die Pandas zum ersten Mal sehen?

Am 5. Juli werden die Tiere der Öffentlichkeit übergeben. Doch nicht ganz Berlin wird die Pandas gleich am ersten Tag besuchen können, da bitte ich um Verständnis. Ab dem 6. Juli können dann die Zoo-Gäste unsere Pandas besuchen.

Bieten Sie Führungen an?

Die Pfleger werden die Fütterungen der Pandas sachkundig kommentieren, wir haben dafür Lautsprecher im Pavillon installiert. Auf Tafeln stehen zudem wichtige Infos über das Leben dieser Tiere.

Werden die Pandas ständig betreut ?

Ja. Die Anlage ist auch mikrofon- und videoüberwacht. Alles wird aufgezeichnet, jede Info über die Tiere ist wichtig. Tag und Nacht ist ein Tierarzt in Bereitschaft. Im Panda-Gehege gibt es Quarantänebereiche, ein eigenes Lüftungssystem und eine moderne Tierarztpraxis. Ich hoffe, die Tiere müssen dort niemals behandelt werden. Das Panda-Gehege ist das aufwendigste Tierhaus, das wir je gebaut haben. Es ist eine der weltweit modernsten Anlagen und wir zeigen dort eine Tierart, die einzigartig in Deutschland ist.

Das Gespräch führte Stefan Strauß.