Berlin - Der Zeitplan stimmt bis ins Detail: Wenn Anfang Juli die neue Panda-Anlage im Zoo eröffnet werden soll, könnte das auf höchster politischer Ebene geschehen. Denn am zweiten Juli-Wochenende tagt der G20-Gipfel in Hamburg, daran nehmen die Staats- und Regierungschefs der 20 führenden Industriestaaten teil, das sind neben Bundeskanzlerin Angela Merkel als Gastgeberin auch der chinesische Staatspräsident Xi Jingping.

Beim Staatsbesuch im Oktober 2015 teilte die chinesische Regierung mit, sie werde Deutschland ein Panda-Paar zu Zuchtzwecken leihen. „Das ist ein besonderes Stück China, das viele Menschen in Deutschland erfreuen wird“, sagte Merkel. Die Chinesen baten darum, dass die neu gebaute Panda-Anlage im Juli 2017 eröffnen möge, wenn der chinesische Staatspräsident in Deutschland weilt.

Treffen am Rande des G20-Gipfels

Mittlerweile steht auch ein Treffen der beiden Spitzenpolitiker fest. „Nach jetzigem Stand wird die Bundeskanzlerin mit dem chinesischen Staatspräsidenten Xi Jingping im Rahmen des G20-Gipfels zusammentreffen“, sagte ein Regierungssprecher der Berliner Zeitung. Es gibt auch Pläne der Bundesregierung, wonach dieses Treffen am Rande des Gipfels im Berliner Zoo am Panda-Gehege stattfinden könnte. Ein Regierungssprecher sagte, eine gemeinsame Übergabe sei aber noch nicht entschieden.

Die Zoo-Führung bereitet sich indes auf die hohen Staatsgäste aus Deutschland und China vor. Für die Führungsebene gilt in dieser Zeit eine Urlaubssperre, Zoo-Direktor Andreas Knieriem sagt: „Der Zoo Berlin wird den Pandas einen würdigen Empfang bereiten. Selbstverständlich ist es jederzeit eine große Ehre, einen Staatsbesuch begrüßen zu dürfen.“ Er sei stolz, nach fünf Jahren wieder Große Pandas in Deutschland zu halten. „Sie sind für uns etwas ganz Besonderes und werden in das derzeit modernste Panda-Habitat Europas einziehen.“

40 Kilo Bambus am Tag

Für die knapp 5500 Quadratmeter große Anlage, in der die beiden Pandas leben, sowie für den Besucherpavillon hat sich der Zoo einen straffen Zeitplan gesetzt. 14 Monate Bauzeit sind vorgesehen, etwas neun Millionen Euro wird die Anlage kosten. Spätestens im Juli sollen die beiden Jungtiere einziehen können. Sie sind Einzelgänger und werden auch im Zoo bis auf wenige Tage im Jahr getrennt voneinander gehalten werden. Besucher werden die schwarz-weißen Tiere mit Knopfaugen meist fressend oder schlafend in einer Naturlandschaft aus Bambus und Wasserläufen erleben. Bis zu 40 Kilogramm Bambus verspeist ein Panda am Tag, die Pflanzenfresser haben nur einen geringen Sexualtrieb, Nachwuchs ist deshalb immer etwa Besonderes.

Schon lange vor Merkels Besuch in China hatte Zoo-Direktor Knieriem der chinesischen Regierung signalisiert, dass Berlin mit den Pandabären Bao Bao, Tjen Tjen und Yan Yan über eine jahrzehntelange Erfahrung in der Haltung von Pandas verfügt. Das Leibniz-Institut für Wildtierforschung beschäftigt sich seit 15 Jahren mit der Fortpflanzung von Pandas und unterstützt internationale Zuchtprogramme. Schon Berlins früherer Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit sowie sein Nachfolger Michael Müller hatten die Bundeskanzlerin mehrfach in Briefen gebeten, sie möge sich auf höchster diplomatischer Ebene für ein neues Pandapaar für Berlin einsetzen. Sie hat es erfolgreich getan.

Seltene Tiere

China verleiht die seltenen Tiere, es gibt weltweit nur noch etwa 2000 Tiere, lediglich an ausgewählte Staaten. Sie gelten als Symbol der politischen Partnerschaft. Etwa 50 Tiere leben außerhalb der Volksrepublik. China verlangt für sie eine hohe Summe, das Geld kommt dem Artenschutz für die Pandas zugute.

Und weil die chinesischen Behörden für ihre Pandas im Ausland strenge Regeln für die Unterbringung festgelegt haben, und weil so eine Leihgabe eine sensible diplomatische Angelegenheit ist, war Knieriem mit Kollegen und den Architekten der Panda-Anlage schon zwei Mal nach China gereist. Dort schauten sie sich Zuchtstationen an und besprachen mit staatlichen Vertretern der Regierung die Aufzucht der Pandas in Berlin. Knieriem war auch in Chengdu. In der Aufzuchtstation haben die Mitarbeiter kürzlich 23 junge Pandas vorgestellt. Auf Nachwuchs hofft auch der Zoo. In der neuen Panda-Anlage wird es neben einer Krankenstation und Rückzugsräumen auch einen Brut- und Zuchtraum geben.