Berlin - Neulich in der Kantine, in die wir manchmal mittags gehen. Von hinten aus der Küche ruft’s: „Schnitzel ist alle!“ Die Frau an der Kasse sagt wie zur Bestätigung: „Es hat sich ausjeschnitzelt!“ Es hätte auch heißen können „auskartoffelsuppt“ oder „ausjekönichsberjerkloppst“ – je nachdem, was gerade „alle“ ist.

Und schon sind wir bei einer weiteren Lektion in Berliner Grammatik. Denn das Berlinische ist voll von solchen schrägen Wendungen: höchst effizient, aber gewöhnungsbedürftig. Das hört längst nicht beim „ausjeschnitzelt“ auf.

„Ej, da kommt ja Rudi mit ohne Haare!“

Der Berliner fragt zum Beispiel nicht: „Sag mal, du hast die Haare so kurz, warst du vielleicht beim Friseur?“, sondern er ruft: „Eh, du hast ja abbe Haare. Biste die Treppe runterjefall’n?“ Diese Wendung ist höchst elegant. Man muss sich aber gut vorsehen, wenn man sie benutzt. Es heißt zwar „abbe Haare“, „abbet Bein“, „zue Tür“, aber nicht „ausset Bier“, wenn das Bier im Späti mal ausverkauft sein sollte. Was ja ohnehin nicht vorkommt.

Mit einer anderen schönen Wendung habe ich jüngst jemanden an der Imbissbude irritiert, der mich fragte, ob ich die Pommes mit oder ohne Ketchup wolle. Ich sagte: „mit ohne“. Statt des Satzes „Rudi hat abbe Haare“ kann man nämlich auch sagen: „Ej, da kommt ja Rudi mit ohne Haare!“

„Ick sitz’ am Tisch und esse Klops …“

Würde man nun all diese schönen grammatikalischen Elemente in einem Gedicht verarbeiten, frei nach dem Berliner Groß-Epos „Ick sitz’ am Tisch und esse Klops …“, dann klänge das so:

Ick sitz’ am Tisch und esse drei/ Buletten mit Kartoffelbrei./ Und wat passiert? Du kommst nich druff:/ Die zue Tür jeht plötzlich uff!/ Ick kiek: Wer humpelt da herein?/ Een Knochenmann mit abb’n Bein,/ mit ohne Haare uff’n Deez!/ Er jeht am Stock und ruft: „Wie jeht’s?/ Mach dich bereit, et is soweit,/ es hat sich auskartoffelbreit!“/ Ick rufe „Nee!“ und schmeiß’ ihm jrob/ jleich zwee Buletten an den Kopp./ Der janze Spuk verfliecht im Nu./ Die uffe Tür jeht wieda zu!/ Und wer, im allerjrößten Glücke,/ frisst unverdrossen weiter? Icke!.