Berlin - Der Stadtplan wird riesig sein, etwa ein Fußballfeld groß. Ausgelegt wird er Ende August auf der Wiese zwischen Berliner Dom und Nikolaiviertel, wo der Palast der Republik stand und in einem Jahr Baubeginn für das Humboldt-Forum sein soll. Der Stadtplan ist begehbar, die Besucher können dort zwei Monate lang in temporären Ausstellungen mehr erfahren über Berlin als „Stadt der Vielfalt“ und die Zuwanderung in den vergangenen Jahrhunderten.

Mit dem Riesen-Stadtplan und weiteren Projekten feiert Berlin in diesem Jahr seinen 775. Geburtstag. „Die Stadt war schon immer durch Zuwanderung geprägt. Das zieht sich wie ein roter Faden durch die Geschichte“, sagte der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) am Montag.

Er meint damit die Ansiedlung von Kaufleuten etwa aus dem heutigen Belgien, den Niederlanden sowie aus Sachsen im Mittelalter an der Spree – ältestes Dokument der Doppelstadt Cölln-Berlin ist eine Urkunde vom 28. Oktober 1237. Zudem war die Stadt Anziehungspunkt für Hugenotten, Böhmen, Wanderarbeiter und Juden sowie nach dem Mauerfall für die Kulturszene. „Migration ist Teil der Stadtgeschichte“, sagt Moritz van Dülmen, Geschäftsführer der landeseigenen Kulturprojekte Berlin GmbH. Sie organisiert die 775-Jahr-Feier, 780.000 Euro Lottomittel stehen zur Verfügung.

Keine Prestige-Vorhaben geplant

Die Feier wird nicht gerade üppig ausfallen, ein Festumzug ist nicht geplant. Auch pompös wird es nicht sein wie vor 25 Jahren, als die Stadt noch geteilt war und die Macher in Ost und West einen starken Darstellungsdrang hatten. Prestige-Vorhaben wie 1987 der Aufbau des Nikolaiviertels (Ost) oder die Neugestaltung des Breitscheidplatzes (West) wird es nicht geben.

Vielmehr setzt der Senat auf Open-Air-Ausstellungen, um den Berlinern die „mittelalterlichen Wurzeln“ zu zeigen. Die vier Kilometer lange Stadtgrenze wird markiert, es gibt ein Wegeleitsystem zu Resten der Stadtmauer, der Klosterruine sowie zu Ausgrabungsstätten am Petriplatz, am Schlossplatz und am Jüdenhof, sagt Archäologe Michael Malliaris.

Der Stadtgeburtstag am 28. Oktober wird mit einem Festakt in der Nikolaikirche gefeiert. Im Nikolaiviertel soll es mittelalterliches Treiben geben. Ein Höhepunkt wird am Abend ein Lichtspektakel sein. Die Compagnie Carabosse setzt die historische Mitte mit hunderten Feuertöpfen und unzähligen Flammen in Szene.