Berlins Architekten schlagen in einem offenen Brief an Berlins Regierenden Bürgermeister Alarm

Berlin - Berlin braucht dringend neue Wohnungen, doch der Bau kommt nur schwer voran. Jetzt schlägt der Bund Deutscher Architekten (BDA) Alarm. Von rund 8200 geplanten Wohnungen an etwa 100 Standorten in allen Bezirken seien lediglich 900 in Bau oder mittlerweile fertiggestellt. Das bedeute, dass etwa 7300 Wohnungen vorerst nicht gebaut werden, schreibt der BDA in einem offenen Brief (PDF-Dokument) an den Regierenden Bürgermeister Michael Müller (SPD).

Der Berufsverband beruft sich dabei auf Angaben von 20 Architekturbüros, die sich an einer Umfrage des BDA beteiligt haben. Sie planen einen Teil der neuen Wohnungen in Berlin, aber nicht alle. „2500 Wohnungen können in absehbarer Zeit nicht realisiert werden, weil die zuständigen Fachbehörden chronisch unterbesetzt sind“, schreibt der BDA. Die zuständigen Sachbearbeiter in den Bezirksämtern seien kompetent und arbeiteten zügig. „Aber es fehlt überall an Personal.“

Fast 2000 Wohnungen würden zudem nicht gebaut, weil Nachbarn und Bürgerinitiativen protestieren. Für den Protest hat der BDA wenig Verständnis. Selbstverständlich werde, wenn neu gebaut wird, „anderes verdrängt, seien es Parkplätze, Bäume, Kleingärten oder auch liebgewordene Baulücken.“ Die Interessen Einzelner müssten hinter den Interessen der Gemeinschaft zurückstehen.

Anspielung auf den Stadtentwicklungssenator Andreas Geisel

Dass Projekte aus spekulativen Gründen ins Stocken geraten, ist laut BDA eher selten. Die Politik könne dieses Diskussionsfeld verlassen und sich „den wahren Hemmnissen zuwenden“. Eine Anspielung auf Stadtentwicklungssenator Andreas Geisel (SPD), der sich wiederholt über zunehmende Spekulation beschwert hat. „Die Stadt braucht eine funktionierende Verwaltung sowie einen handlungsfähigen Bausenator, der die Rückendeckung des Regierenden Bürgermeisters hat“, fordert der Bund Deutscher Architekten.

Im Roten Rathaus war am Dienstag keine Stellungnahme zu erhalten, dafür antwortete Geisel. „Die Stadt hat einen handlungsfähigen, für das Bauen zuständigen Stadtentwicklungssenator mit der Rückendeckung des Regierenden Bürgermeisters“, erklärte er.

Auf die vorgelegten Zahlen des BDA ging Geisel aber nicht ein, sondern verwies auf das Erreichte. 2015 seien knapp 11.000 Wohnungen gebaut worden. Tendenz steigend. In Neubaugebieten würden die Anwohner sehr früh an den Planungen beteiligt. Das schaffe Vertrauen und hoffentlich Akzeptanz. Baugenehmigungen müssten schneller erteilt werden, pflichtete er dem BDA bei. Allein in diesem Jahr seien aber 50 neue Stellen geschaffen worden. Dieser Aufbau müsse weitergehen.