Berlin - Manch einer wähnte sie schon auf dem Rückzug aus Berlin in ihre Schweizer Heimat. Andere wünschten sich, dass sie möglichst bald aus dem Amt scheiden möge, darunter vor allem die Anhänger historischer Rekonstruktionen. Doch Regula Lüscher, Anhängerin einer modernen Architektur, bleibt Berlin als Senatsbaudirektorin erhalten. Wie aus gut informierten Kreisen verlautet, soll die 55-Jährige auch unter der künftigen Stadtentwicklungssenatorin Katrin Lompscher (Linke) ihr Amt fortführen.

Dass Lüscher bleiben würde, war keineswegs sicher. Schließlich hätte der Wechsel des Stadtentwicklungsressorts von der SPD zur Linken durchaus personelle Konsequenzen haben können. Dass die neue Stadtentwicklungssenatorin weiter auf Lüscher baut, darf deswegen als Signal verstanden werden, dass Lompscher auf Kontinuität setzt. Zugleich ist es eine Anerkennung für Lüschers Arbeit, insbesondere bei der Beteiligung der Bürger.

Diese Dinge hat Lüscher bisher gut gemacht

Lüscher war es, die in der vergangenen Legislaturperiode die Stadtdebatte zur Historischen Mitte führte. Dabei wurden Leitlinien für die Gestaltung des Gebiets rund um den Fernsehturm entwickelt, die zwar eine Aufwertung des Areals, aber keine historische Rekonstruktion vorsehen, wie sich manch Geschichtsbeflissene gewünscht haben.

Das passt in das Konzept der designierten Stadtentwicklungssenatorin Lompscher, die stets für mehr Respekt vor dem baulichen Erbe aus der DDR-Zeit geworben hat, ohne dabei in Nostalgie zu verfallen. Ähnlich verhält es sich bei der Gestaltung des Alexanderplatzes. Hier war es Regula Lüscher, die im Jahr 2013 die Debatte über eine Änderung der Kollhoff’schen Hochhausplanung von 1993 in Gang setzte.

Zwar gelang es bei der Neukonzeption lediglich, die Zahl der möglichen Hochhäuser von zehn auf neun zu reduzieren. Doch viel wichtiger war, dass zugleich mehrere Häuser der DDR-Moderne, nämlich das Haus des Reisens und das Haus des Berliner Verlags, unter Denkmalschutz gestellt wurden. Wichtige bauliche Zeugnisse der jüngeren Vergangenheit sind so vor Abriss-Ideen besser geschützt.

Das waren ihre Fehler

Anzulasten ist Regula Lüscher, dass viele in ihrer Amtszeit seit 2007 errichteten Gebäude das Stadtbild nur bedingt bereichern. Zu den Negativ-Beispielen gehören beispielsweise etliche Häuser am Hauptbahnhof mit schießscharten-ähnlichen Fassaden. Städtebaulich wenig überzeugend sind zudem die Pläne für einen 175 Meter hohen Turm neben dem Hotel Estrel in Neukölln, die wenig mit einer abgestimmten Hochhausplanung zu tun haben. Gut, dass zumindest in der neuen Legislaturperiode ein Hochhausplan für die Stadt erarbeitet werden soll.

Zu den größten Fehlern Lüschers gehört freilich, dass sie gegen den Widerstand der Denkmalschützer einen positiven Bauvorbescheid für die neue Hauptstadtrepräsentanz von Siemens im Garten des denkmalgeschützten Magnus-Hauses in Mitte durchsetzte. Das historische Ensemble droht durch dieses Projekt völlig entwertet zu werden. Vielleicht schafft Lüscher es ja, diesen Fehler zu korrigieren. Dann hätte sich die Fortbeschäftigung schon gelohnt.