Berlin - Als der Berliner Senat sich am Dienstag beim Thema Mietendeckel darauf einigte, dass die Mieten in den kommenden fünf Jahren in der Hauptstadt nicht steigen dürfen, war oft von London die Rede. Man wolle keine Zustände wie in London, hieß es. Und damit war nicht der Brexit gemeint. In London ist Wohnen in der Innenstadt so teuer, dass es gern als beliebtes und abschreckendes Negativbeispiel dient.

Ob der Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD) am kommenden Montag und Dienstag deshalb vielleicht auch ein wenig stolz zur EU-Hauptstadtbürgermeister-Konferenz in London reist, kann man nur vermuten. Aber immerhin hat der Mietendeckel zumindest mal national Wellen geschlagen – man wird sehen, welche Großstadt nachziehen wird. Zugleich mag Müller vielleicht auch ganz dankbar zu sein, die SPD-Krise zumindest geografisch kurz hinter sich zulassen. Erst am Donnerstag diskutierte er mit der Basis im Headquarter der Sozialdemokraten, im Willy-Brandt-Haus, beim Mitgliederforum über die Zukunft seiner Partei.

Den Blick also kurz mal wieder weiten. Gerade vier Wochen ist es her, dass Müller mit einer Delegation ins japanische Tokio reiste. Müller sucht den Kontakt zu anderen Metropolen. Oder wie er es auf dem Hoffest kürzlich formulierte: Mobilitätsprobleme, Wohnungsnot, das seien Themen, die alle Metropolen der Welt einen.

Bekämpfung von Radikalisierung im Fokus 

Nun also London. Seit 2013 findet das Treffen der Bürgermeister statt. Die Konferenz findet im Londoner Rathaus statt, danach wird Müller mit seinem dortigen Amtskollegen Sadiq Khan zusammentreffen.

Einer der „wichtigsten und kompetentesten Bürgermeister einer Metropolregion auf der ganzen Welt“, so beschreibt ihn der Regierende Bürgermeister in höchsten Tönen. Doch es geht um mehr als nur ums gegenseitige Schulterklopfen.

Die EU-Hauptstädte müssten die Belange der europäischen Metropolen verstärkt in die Prozesse auf EU-Ebene einbringen, sagte Müller. Das sei umso wichtiger, als wir jetzt in die heiße Phase der europäischen Haushaltsverhandlungen eintreten. Vor allem durch den bevorstehenden Brexit müssten die EU-Hauptstädte dafür eintreten, dass die Europäische Kommission nicht auf Kosten der Wohnungs- und Infrastrukturpolitik Kürzungen vornehme. „Beide Felder sind für uns in Berlin genauso wie für andere städtische Ballungsräume in der EU existenziell wichtig“, machte Müller klar.

Im Fokus der Konferenz, an der voraussichtlich auch Paris, Helsinki, Zagreb, Sofia, Nikosia, Riga, Talinn, Prag, Ljubljana, Vilnius, Warschau, Brüssel, Zagreb und Stockholm teilnehmen, steht zudem die Bekämpfung von Radikalisierung und Extremismus in Städten.

Im August geht es für Michael Müller nach Peking 

Müllers globales und metropolpolitisches Engagement hat auch einen ehrenamtlichen Hintergrund. Er ist seit 2018 Präsident das Städtenetzwerks Metropolis, dem Verband gehören 140 Stadtverwaltungen an. In dieser Funktion reiste er erst im April nach Montevideo in Uruguay. Noch bis 2020 hat er das Amt inne.

Den Koffer sollte der Regierende Bürgermeister nicht zu weit weg legen: Im August geht es für Müller nach Peking zum 25-jährigen Jubiläum der Städtepartnerschaft und im Oktober nach Singapur.