Berlin sucht seine DNA! Halt – was stimmt schon an dieser vermeintlich so einfachen Feststellung nicht? Richtig, es ist überhaupt völlig unklar, von welchem Berlin da die Rede ist. Es gibt nämlich so viele davon.

Selbst bei mir in Friedenau, einem von 96 Ortsteilen dieser erstaunlichen Stadt, gibt es so viele Milieus, dass es mir auch nach fast 20 Jahren nicht möglich wäre, Friedenau zu charakterisieren. Bürgerlich? Na klar! Doch schon ein Haus weiter haben dieselben libanesischen Betreiber eine Pizzeria in eine Shisha-Bar verwandelt, seitdem ärgert sich der Kiez über die tägliche Internationale Automobil-Ausstellung vor der Tür.

Teure Cafés mit ihrem All-White-Publikum

Die Spielhallen, Billigfriseure, türkischen Döner- und Burger-Imbisse, die polnischen Trinker neben den Sparkassenautomaten, die Bioläden, Herta Müller, der Wochenmarkt, die teuren Cafés mit ihrem All-White-Publikum, die älteste Integrationsgrundschule Deutschlands, der Netto, die Klavier- und Geigenbauer, die Flüchtlingsunterkunft im Rathaus (immer noch!), Rudis Resterampe, Marlenes Grab, die Kirchengemeinden, Dilek Kolats Kreisbüro, die Buchhandlungen, die den Ruf des Literatenstadtteils hochhalten – das alles ist Friedenau. Auch. Großartig? Ach was, Alltag! Genau wie das alte Ehepaar bei uns im Haus, dem das meiste davon egal ist. Hauptsache, der Weg zu Rewe ist nicht zu weit.

Ganz am Ende noch eine Anmerkung eines gebürtigen Berliners an all die eifrigen DNA-Sucher: Ich brauche keinen neuen Claim, wie ich den bisherigen nicht brauchte. Wenn er denn nützt, soll’s mir recht sein. Aber ich muss auch nicht hier hinziehen und mich damit für – oder gegen – einen Lebensentwurf entscheiden. Ich bin von hier.