Berlin - Es gibt einfachere Dinge, als sich bei der Flughafengesellschaft FBB auf dem obersten Chefposten zu bewähren. Die Lage ist desolat, gelinde gesagt. Doch Aletta von Massenbach weiß, worauf sie sich einlässt. Sie hat die BER-Betreiberfirma bereits kennengelernt: Seit knapp einem Jahr ist die Juristin Finanz-Geschäftsführerin. Nun beerbt sie den jetzigen Vorsitzenden der Geschäftsführung Engelbert Lütke Daldrup, der im September mit 64 Jahren aufhört. An diesem Donnerstagvormittag hat der Aufsichtsrat des Staatsunternehmens von Massenbach wie erwartet zur Flughafenchefin gekürt – der ersten in der Geschichte des Luftverkehrs in Berlin und Brandenburg. Sie wurde ohne Gegenstimmen gewählt und wird ihren Posten Anfang Oktober antreten.

Sensible Naturen würden verzweifeln, wenn sie sich mit den Bilanzzahlen näher befassen würden. Von Massenbach kennt sie in- und auswendig. So verbuchte das Unternehmen, das Berlin, Brandenburg und dem Bund gehört, im vergangenen Jahr einen Fehlbetrag von mehr als einer Milliarde Euro. Die Schulden der FBB, die von ihren Gesellschaftern traditionell kurz gehalten wird, summieren sich auf viereinhalb Milliarden. Obwohl der Verkehr nun wieder zunimmt, erwarten die Planer am BER in diesem Jahr bestenfalls ein Viertel des Berliner Fluggastaufkommens vor der Corona-Pandemie. Erst 2025 werde das Unternehmen auf eigenen Beinen stehen – wenn alles gut geht, so die Finanzchefin.

Doch Aletta von Massenbach konnte sich Rückhalt verschaffen. „Bislang hat sie einen guten Eindruck hinterlassen“, sagte ein Aufsichtsratsmitglied von der Arbeitnehmerseite. „Es fällt positiv auf, wie sie die Dinge angeht.“ Dass die Mutter eines Sohnes Berliner Flughafenchefin wird, sei von vornherein nicht unwahrscheinlich gewesen: „Sie wurde unter der Prämisse geholt, dass sie sich das vorstellen kann.“ Branchenerfahrung hat von Massenbach (Jahrgang 1969) mehr als genug – auch international in Peru, den Philippinen, Bulgarien, Portugal, Puerto Rico, Russland und Spanien. 2020 kam sie vom Frankfurter Flughafenbetreiber Fraport nach Schönefeld. Jetzt ist klar, dass sie bleibt.