Kinder bei der Eröffnung der Schwimmbad-Traglufthalle in Berlin-Wedding.
Foto: Berliner Zeitung/Markus Wächter 

Berlin-WeddingNormalerweise wären die Außenbecken im Schwimmbad an der Seestraße schon winterfest gemacht, grauer Himmel würde sich über ihnen erstrecken und es wäre kalt. Auf jeden Fall zu kalt zum Schwimmen. Doch an diesem Tag steht ein Dutzend Jungs und Mädchen in Badehosen und -anzügen am Beckenrand. Auf den Ruf des Sportsenators springen sie mit lautem Platschen ins Wasser, reißen die Arme hoch, kreischen.

Größte Traglufthalle in Deutschland

Möglich ist das Anfang Dezember nur, weil jetzt eine Traglufthalle die Außenbecken im Weddinger Schwimmbad überdacht. Laut Berliner Bäderbetrieben ist es die größte in ganz Deutschland. In wenigen Wochen aufgepustet, an diesem Mittwoch eröffnet. Mit Big Band, Schulklasse und einem sichtlich gut gelaunten Sportsenator Andreas Geisel (SPD), für den die Weddinger Konstruktion einerseits ein „neuer Superlativ für Berlin“ ist. Vor allem aber „Ausdruck des Mentalitätswechsels bei den Bäderbetrieben“, den man so dringend erreichen will: Nicht nur auf die Kosten schauen, nicht mehr bloß sanieren, sondern viel dringender die Wasserflächen erhöhen. „Wir sind bereit die Versorgung der Berliner mit Schwimmbädern nicht nur zu sichern, sondern auch sukzessive auszubauen“, sagt Geisel. Ein Plan, der viele Berliner freut. Aber es ist auch ein teurer Plan.

Bei der Eröffnung der Schwimmbad-Traglufthalle in Berlin-Wedding.

Video: Berliner Verlag

Tatsächlich lässt Berlin sich die Traglufthalle einiges kosten: 2,2 Millionen Euro kostet der Aufbau der Halle sowie ihr Betrieb für drei Jahre laut Berliner Bäderbetrieben. Dafür überspannt sie die beiden 50-Meter-Becken des Freibads Seestraße – so werden in Herbst, Winter und Frühjahr rund 2000 Quadratmeter Wasserfläche gewonnen. Das ist dringend notwendig, denn in Berlin läuft eine große Sanierungswelle in den Schwimmbädern. Die recht nahegelegenen Bäder im Tiergarten und Paracelsus-Bad fallen deswegen seit Kurzem weg – und damit gut 1500 Quadratmeter Wasserfläche. „Sehr gut angelegt“ sei das Geld, sagt Geisel. Man wolle so mehr Berliner dazu bringen, ins Schwimmbad zu gehen.

Vorerst werden allerdings ausschließlich Schulklassen und Vereine in dem neu entstandenen Winterbad trainieren. Dafür soll das Hallenbad dann ganz der Öffentlichkeit zur Verfügung stehen. Die neue Halle und das alte Bad sind über eine Tür miteinander verbunden.

Berlins Schwimmbäder greifen damit auf eine Zwischenlösung zurück, die viele aus den Jahren 2015 und 2016 noch aus einem ganz anderem Kontext kennen: Da wurden die Traglufthallen des Unternehmens Paranet-Deutschland noch verwendet, um Flüchtlingen ein Dach über dem Kopf zu geben, weil Unterkünfte heillos überfüllt waren.

An über 35 Standorten in Deutschland sprossen die Hallen aus dem Boden, nach Angaben der Firma wurden darin mehr als 200.000 Menschen untergebracht. Nach der menschenrechtlichen Notsituation wird Paranet nun wieder in der sportlichen Notsituation gefragt. Neben dem Schwimmbad hat das Unternehmen vor kurzem auch eine Volleyballanlage in Mitte überdacht.

Vorbild für andere Bäder

Ist mit Blick auf die zahlreichen weiteren Sanierungen in Berlin denn denkbar, dass in Berlin in Zukunft noch viele solcher Übergangskonstruktionen entstehen? Dass aus Außenbecken immer häufiger neue Innenbecken werden?

Schwimmbad-Traglufthalle in Berlin-Wedding von innen.
Foto: dpa/Bernd von Jutrczenka

Das Bad in der Seestraße sei für die Halle zum Glück sehr gut geeignet, sagt Johannes Kleinsorg, Chef der Berliner Bäderbetriebe. Er nennt die neue Halle ein „zentrales Projekt für die Sanierung und Modernisierung der Berliner Bäder“. Im Wedding gebe es einen räumlichen Anschluss an das alte Gebäude, Fernwärme und Wasseranschlüsse seien vorhanden gewesen oder hätten leicht gelegt werden können.

Allerdings, auch das sagt Kleinsorg, seien die Bedingungen nicht überall so günstig wie im Wedding. Man prüfe zurzeit andere Standorte. Im bald für die Sanierung schließenden Prinzenbad aber werde man eine andere Konstruktion testen – weil eine Traglufthalle dort nicht zu errichten ist.