Berlin - Keine Kerzen, keine Kränze, keine Blumen, kein Grabstein, das sind die Vorgaben für eine Grabstelle auf Berlins erstem Friedwald. Am Freitag wurde er auf dem Kirchhof der St. Bartholomäus-Gemeinde in Weißensee eröffnet. Es ist auch bundesweit der erste Friedwald in einer Stadt.

Auf dem drei Hektar großen Gelände an der Giersstraße können sich Menschen zu Lebzeiten eine Grabstelle an einem Baum auswählen. Nach dem Tod wird die Asche der Verstorbenen in biologisch abbaubaren Urnen am Baum vergraben, auf einem Schild am Stamm steht der Namen der Verstorbenen.

„Der Wald macht die Trauer ein wenig leichter“, sagte Petra Bach, Geschäftsführerin der Friedwald GmbH aus Griesheim (Hessen). Der Berliner Friedwald ist der 48., den das Unternehmen seit 2001 eröffnet hat. Seitdem gab es 42.000 Beisetzungen, 112.000 Menschen haben sich zu Lebzeiten für einen Platz unter Bäumen entschieden. „Vor einigen Jahren spielte der Wald im Zusammenhang mit dem Tod gar keine Rolle“, sagt Petra Bach. Doch heute entschieden sich immer mehr Menschen für ein Grab im Friedwald. „Sie bereiten sich selbstbestimmt auf ihren Tod vor. Es soll keine Grabpflege geben, denn sie wollen ihren Angehörigen nicht zur Last fallen wollen“, sagt Petra Bach. Es gibt Familien- und Freundschaftsbäume für zehn Personen.

Offene Atmosphäre

Sechs Jahre lang haben Mitarbeiter der Kirchenverwaltung und der Friedwald GmbH die alternative Bestattungsform vorbereitet. „Wir wollten ein Stück Natur erhalten“, sagt Friedhofsverwalter Jürgen Kiesow. Die Pappeln, Ahorn- und Kastanienbäume stammen aus den 60er Jahren, es gab viele kirchliche und denkmalschutzrechtliche Fragen. Große Teile des Friedhofs stehen unter Denkmalschutz. Für Beisetzungen auf dem Friedwald können Angehörige die Kapelle nutzen.

Zur Eröffnung am Freitag kamen etwa 50 meist ältere Menschen, um sich zu informieren. „Hier steht nicht Grabstein an Grabstein, diese offene Atmosphäre gefällt mir“, sagt Renate Zimek. „Es gibt auch finanzielle Gründe“, sagt ihr Mann Bernhard Zimek (62). Die ersten Beisetzungen sind Mitte November, die erste Friedwald-Führung findet am 16. November statt.

Weitere Infos zum Friedwald in Weißensee stehen im Internet unter www.friedwald.de