Auf dem Belüftungsschiff des Landes Berlin, das den Namen des deutschen Historikers und Archivars Rudolf Kloos trägt, herrschen am Montag auch bei größter Hitze eisige Temperaturen. Im Tank des 27 Meter langen Schiffes lagern acht Kubikmeter flüssiger Sauerstoff bei einer Temperatur von minus 196 Grad. In den warmen Monaten, in der Regel von Mai bis September, ist dieses Schiff wochentags auf der Spree und den anliegenden Gewässern unterwegs, um die Flüsse und Kanäle der Stadt mit Sauerstoff anzureichern. Sechs Pumpen saugen das Wasser ein, im Innern des Schiffes wird es mit Sauerstoff zerstäubt und fließt am Heck wieder heraus.

Vor allem nach starken Regenfällen, wenn organische Stoffe wie Fäkalien, Blätter, Pollen, Hundekot und Abfall durch die Mischwasserkanalisation in die Spree geleitet wurden, muss die Besatzung der „Rudolf Kloos“ auch am Wochenende arbeiten. Denn dann muss der Sauerstoffgehalt der Spree künstlich erhöht werden, um das Sterben der Fische zu begrenzen. „Wir bekämpfen aber nur die Symptome, nicht die Ursachen“, sagt ein Mitarbeiter.

Seit mehr als 15 Jahren versuchen die Berliner Wasserbetriebe, den Schaden, den diese ungereinigten Abwassermengen nach starken Regenfällen in der Spree anrichten, zu begrenzen. Überall in der Stadt entstehen seit 2002 unterirdische Wehre, Regenüberlaufbecken und Entlastungskanäle.

Zu den größten Stauraum-Projekten mit Investitionen von mehr als einer Million Euro gehören in den kommenden Jahren: Drosselbauwerk Modersohnstraße (Kosten: 1,6 Millionen Euro, Fertigstellung 2015), bewegliches Wehr und Umleitungskanal Bornholmer Straße/Swinemünder Straße (3,4 Mio Euro, 2016), Stauraumkanal mit Pumpwerk Mauerpark/Schwedter Straße (6,9 Mio Euro, 2018), Regenüberlaufbecken Sophie-Charlotten-Straße (4,5 Mio Euro, 2020).

Das teuerste und größte unterirdische Bauvorhaben planen die Berliner Wasserbetriebe direkt neben dem Bundesnachrichtendienst (BND) in der Chausseestraße in Mitte. Ab 2016 soll dort für 30 Millionen Euro ein neues Regenüberlaufbecken entstehen, dass 17.000 Kubikmeter Wasser aufnehmen kann. Im Jahr 2021 soll das Becken fertig sein.