Es ist in diesem Jahr das wohl größte Immobiliengeschäft in Berlin: Für 1,1 Milliarden Euro wechselt das Sony Center am Potsdamer Platz den Besitzer. Der südkoreanische Staatsfonds NPS, der das Center erst im Jahr 2010 für rund 570 Millionen Euro von Sony erworben hatte, verkauft den Komplex damit sieben Jahre später für fast den doppelten Preis.

Neuer Eigentümer wird die Immobiliengesellschaft des Pensionsfonds für kommunale Angestellte der kanadischen Provinz Ontario, Oxford Properties, die das Center zusammen mit der Investmentgesellschaft Madison International Realty erwirbt. Das Sony Center wird damit Teil der Altersvorsorge für Feuerwehrleute und andere öffentlich Bedienstete in Ontario. 

Die schlechte Nachricht für Berlin: Die Transaktion läuft als sogenannter Share Deal ab, also als ein geteiltes Geschäft, bei dem zwei Käufer die Geschäftsanteile an der Gesellschaft erwerben, der das Sony Center gehört. Hierbei sparen sich die Investoren die Grunderwerbsteuer von sechs Prozent, wenn weniger als 95 Prozent der Geschäftsanteile von einem Käufer erworben werden – also bei einem Verkauf von beispielsweise 94,9 Prozent der Anteile an einen Erwerber und von 5,1 Prozent an den anderen Erwerber.

Die Ersparnis bei 1,1 Milliarden Euro Kaufpreis beträgt immerhin 66 Millionen Euro. Weil zwei Erwerber des Sony Centers auftreten, ist klar, dass es sich um einen Share Deal handelt. Unklar bleibt, wer Anteile in welcher Höhe übernimmt. Dazu wollte sich die Erwerberseite auf Anfrage nicht äußern. Deswegen kann nur vermutet werden, dass keine Grunderwerbsteuer anfällt – es liegt angesichts der gewählten Konstruktion einfach nahe.

Die Grünen kritisieren diese Form des Steuersparens

Immer wieder werden Immobiliengeschäfte als Share Deal eingefädelt, um die Grunderwerbsteuer zu sparen. Wie viel Geld Berlin dadurch entgeht, ist nicht bekannt, denn diese Geschäfte müssen dem Land nicht mitgeteilt werden.

Die Grünen kritisieren diese völlig legale Form des Steuersparens und wollen dem Geschäftsmodell in dieser Legislaturperiode einen Riegel vorschieben. „Das sollte ein gemeinsames Thema für die Grünen, die FDP und die Union sein“, sagte die Berliner Bundestagsabgeordnete Lisa Paus (Grüne) am Dienstag.

Mit dem Verkauf wechselt abermals eines der prominentesten Bauprojekte des wiedervereinigten Berlin den Besitzer. Das Center wurde nach Plänen des deutsch-amerikanischen Architekten Helmut (Turmvater) Jahn von 1996 bis 2000 errichtet. Es gehört mit seinem markanten Zeltdach und dem 103 Meter hohen Büroturm zu den Sehenswürdigkeiten, die an der einstigen Grenze zwischen Ost und West entstanden.

Neben der Deutschen Bahn, die in dem 103 Meter hohen Tower residiert, sitzen in weiteren Büros so bekannte Unternehmen wie Facebook, der Pharma-Riese Sanofi und Sony. Außerdem beherbergt das Center ein Multiplex- und ein Imax-Kino sowie das Legoland.

Anfang 2016 wechselte das Stadtviertel erneut den Besitzer

Sony hatte das Grundstück am Potsdamer Platz im Jahr 1991 vom Land Berlin erworben, das dort große Unternehmen ansiedeln wollte. Ein weiteres Areal war bereits zuvor an den Daimler-Konzern verkauft worden, der auf der gegenüberliegenden Seite des Potsdamer Platzes ein Stadtviertel mit Kinos, Musicaltheater, Hotel, Einkaufspassage, Wohnungen und Büros errichtete. Daimler hat sein Quartier schon im Jahr 2007 verkauft.

Anfang 2016 wechselte das Stadtviertel erneut den Besitzer. Eigentümer ist seitdem die deutsche Tochter des kanadischen Immobilien-Investors Brookfield Property Partners. Immobilien in Berlin gelten als sichere Geldanlage. Große Pensionsfonds investieren ihr Geld ebenso gerne hier wie Klein-Anleger aus dem In- und Ausland.

In den ersten sechs Monaten dieses Jahres wechselten nach Angaben des Gutachterausschusses für Grundstückswerte in Berlin Häuser, Grundstücke und Wohnungen für fast acht Milliarden Euro den Besitzer. Weil Angebote knapp sind, aber zugleich viel Geld nach Anlage-Möglichkeiten sucht, ziehen die Preise immer stärker an.

Das Land Berlin verdient zwar über steigende Einnahmen durch die Grunderwerbsteuer mit, doch zugleich verteuert der Boom auf dem Immobilienmarkt die Preise für Bauland. Neue Wohnungen lassen sich deswegen kaum noch für Mieten unter zehn Euro je Quadratmeter errichten. Der Bau preiswerter Wohnungen ist ohne Förderung des Landes kaum möglich.

Das Quartier am Auswärtigen Amt in Mitte wurde verkauft

Das Gros der Transaktionen auf dem Berliner Immobilienmarkt entfällt in den ersten sechs Monaten mit einem Anteil von 65 Prozent weiter auf den Verkauf von Eigentumswohnungen. Die Zahl der Wohnungsverkäufe ist jedoch im Vergleich zum gleichen Vorjahreszeitraum um sechs Prozent gesunken.

Die Preise für Eigentumswohnungen stiegen dagegen im Vergleich zu den ersten sechs Monaten 2016 um rund zehn Prozent. Im Neubau wurden Eigentumswohnungen laut Gutachterausschuss für durchschnittlich 5038 Euro je Quadratmeter verkauft. Büro- und Geschäftshäuser wurden in den ersten sechs Monaten dieses Jahres – noch ohne das Sony Center – im Wert von rund einer Milliarde Euro verkauft. Das entspricht einem Plus von 52 Prozent gegenüber dem gleichen Zeitraum des Vorjahres.

Verkauft wurde beispielsweise das Quartier am Auswärtigen Amt in Mitte. Das ist ein Komplex aus vier Büro-, einem Hotel- sowie einem Wohngebäude neben dem Außenministerium. Erwerber sind die Rheinischen Versorgungskassen, die über den Kaufpreis mit dem Verkäufer Stillschweigen vereinbarten.

Zudem wechselte in diesem Jahr das Einkaufszentrum LIO in Lichterfelde-Ost den Besitzer. Das Büro- und Geschäftshaus in der Hauptstraße 78/79 in Friedenau, 1929 als Roxy Palast mit Kinosaal errichtet, fand ebenfalls einen neuen Eigentümer. Mehrere landeseigene Wohnungsunternehmen erwarben außerdem das Wohnprojekt Mein Falkenberg, bei dem 1240 Wohneinheiten bis zum Jahr 2021 geplant sind.