Die neue Polizeiwache am Kottbusser Tor soll mindestens 210 Quadratmeter Fläche einnehmen. Diese würden gebraucht, um die gesamte Logistik aufzunehmen, sagte Berlins Innensenatorin Iris Spranger (SPD) am Montag im Innenausschuss des Abgeordnetenhauses. Sie verteidigte den umstrittenen Standort, der für die Wache gefunden wurde.

Man habe mit der BVG gesprochen, die Wache unterirdisch einzurichten. Doch das gehe nicht. Auch eine überirdische Containerlösung funktioniert laut Spranger nicht, wegen statischer Probleme, da darunter die U-Bahn-Strecke verlaufe. Auch Gewerberäume kämen nicht infrage, wegen lang laufender Mietverträge. „Mit mir wird es keine Kündigung von Gewerbetreibenden am Kotti geben“, sagte Spranger.

Kotti-Wache bis um den Jahreswechsel

Bleibt dem Senat das, was die Wohnungsbaugesellschaft Gewobag angeboten hat: Die Räume eines Wettbüros in dem Haus über der Adalbertstraße im Neuen Kreuzberger Zentrum (NKZ). „Wir haben keine anderen Möglichkeiten, deshalb wird es dieser Standort sein“, so Spranger. Die landeseigene Berliner Immobilien Management GmbH und die Wohnungsbaugesellschaft würden „sehr zeitnah“ einen Mietvertrag unterschreiben. „Die Kotti-Wache wird um den Jahreswechsel stehen.“

Linke und Grüne sind mit dem Standort nicht einverstanden. Sie haben Zweifel daran, dass die Wache inmitten eines Wohnkomplexes sinnvoll ist und fürchten zudem eine Verdrängung der Kriminalität.

Spranger sagte, alles sei mit den Menschen vor Ort besprochen worden, „und nicht mit denen, die da demonstrieren und gegen die Polizei sind und sie beschimpfen“. Am Sonntag hatten dort etwa 200 Angehörige linker Gruppen unter dem Motto „Kotti für alle“ generell gegen eine Polizeiwache am Kottbusser Tor demonstriert.

„Wir haben keinen Erfolg, wenn sich nur die Polizei kümmert“

Der Kreuzberger CDU-Abgeordnete Kurt Wansner sagte: „Zwischenzeitlich gibt es Gewerbetreibende, die Angst haben, sich für die Wache auszusprechen, weil sie Angst haben, dass die linke Szene ihren Laden auseinandernimmt.“

Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) sprach sich von Anfang an gegen die Nutzung von Bestandsimmobilien und für einen entsprechenden Neubau mit mehr als 300 Quadratmeter Raum plus Sanitäranlagen und Parkfläche aus. „Klar ist auch, dass es mit 20 zusätzlichen Stellen, für die wir im Übrigen erst einmal jahrelang ausbilden müssen, nicht getan ist“, sagte GdP-Sprecher Benjamin Jendro. „Wenn man nicht nur ein Showobjekt haben, sondern ernsthaft Kriminalität bekämpfen möchte, benötigt man vor Ort neben einer 24/7-Wachbesatzung auch kriminalpolizeiliche Expertise und operative Kräfte. Da redet man über mindestens 65 Kollegen.“

Polizei-Vizepräsident Marco Langner findet, dass die Lage am Kottbusser Tor ein gesamtgesellschaftliches Problem sei. „Wir haben keinen Erfolg, wenn sich nur die Polizei kümmert.“ Den geplanten Standort im NKZ hält er für gut. „Weil wir von diesem Platz aus alle Bereiche im Blick haben werden. Im wahrsten Sinne des Wortes.“