Berlin - Weggeworfene Zigarettenstummel, Kaugummis, Hundehaufen, Sperrmüll am Straßenrand – Müll auf dem Gehweg gehört zum Berliner Stadtbild wie das Brandenburger Tor. Achtlos weggeworfener Abfall ist ein Problem, mit dem viele Städte zu kämpfen haben. Doch wie kann man aktiv gegen Müllsünder vorgehen?

In Mannheim scheint man die Antwort auf diese Frage gefunden zu haben: Seit Montag gelten in der Stadt höhere Bußgelder für illegal entsorgten Müll. Auch bei kleineren Verstößen muss man hier nun tiefer in die Tasche greifen: Wer etwa einen Kaugummi auf den Boden spuckt, muss 100 Euro zahlen, bei illegal weggeworfenen Zigarettenstummeln, Pappbechern oder Taschentüchern fällt ein Bußgeld von 75 Euro an. Höhere Strafen für eine saubere Stadt – kann das auch in Berlin funktionieren?

Berlin hat deutlich geringere Bußgelder für illegale Müllentsorgung als Mannheim

Dass Berlin ein Müllproblem hat, ist keine Frage. Laut der Abfallbilanz des Senats fielen im Jahr 2017 etwa 3106 Mg illegale Abfälle im öffentlichen Straßenland an. Im Rahmen des Aktionsprogramms „Saubere Stadt“ möchte der Senat nun für mehr Sauberkeit in den Berliner Bezirken sorgen. Teil der Gesamtstrategie soll es sein, den Bußgeldkatalog für illegale Müllentsorgung zu überarbeiten und die Bußgelder ähnlich wie in Mannheim deutlich zu erhöhen.

Aktuell fallen die Buß- und Verwarngelder in der Hauptstadt deutlich geringer aus als in Mannheim. Nach Auskunft des Bezirksamts Neukölln liegt das Verwarngeld für das illegale Wegwerfen von Pappbechern oder Zigarettenschachteln bei 25 Euro, und wer den Hundehaufen nicht beseitigt hat, muss mit 55 Euro Strafe rechnen.

Wenn es nach Bezirksbürgermeister Martin Hikel geht, müsste es für illegal entsorgten Müll deutlich höhere Bußgelder geben. Laut Christian Berg, Sprecher des Bezirksamts Neukölln, plädiert Hikel für eine Anpassung: „Der Bußgeldrahmen für Sperrmüll (mehrere Einzelstücke) liegt derzeit zwischen 100 und 400 Euro. Dieses Bußgeld soll auf den Rahmen 300 bis 750 Euro angehoben werden.“

100 Müll-Polizisten sollen in Berlin für mehr Ordnung sorgen

Obwohl das Müllproblem in Berlin groß ist, fallen die Zahlen der gefassten Müllsünder gering aus. Im Bezirk Neukölln beispielsweise, wo ein großes Sperrmüllprobleme herrscht, gab es 2017 lediglich 16 Feststellungen zu illegaler Müllablagerung, für die insgesamt Bußgelder in der Höhe von 7600 Euro verhängt wurden. Obwohl sich 2018 die Zahl der Feststellung auf 31 erhöht und damit verdoppelt hat, werden Müllsünder in Berlin doch eher selten erwischt.

Mit Projekten wie den „Waste Watchern“ soll sich das in Zukunft ändern. Nach Wiener Vorbild sollen etwa 100 neue „Müll-Polizisten“ im kommenden Jahr für mehr Präsenz auf den Berliner Straßen sorgen und so für einen bewussteren Umgang mit Müll sensibilisieren. Im Ordnungsamt Neukölln, werden zurzeit elf solcher Mitarbeiter ausgebildet, Mitte 2019 sollen sie einsatzfähig sein.

In Berlin gibt es viele ehrenamtliche Putzaktionen

Wer jedoch nicht auf die Bemühungen der Politik vertraut, kann selbst aktiv werden. Mit Hilfe der kostenlosen App „Ordnungsamt Online“ können Berliner illegale Müllablagerungen oder Sperrmüll am Straßenrand melden.

Und auch wer selber mit anpacken möchte, findet in Berlin viele Möglichkeiten und Aufräumaktionen. Hilfe und Unterstützung bei ehrenamtlichen Putzaktionen erhält man beispielsweise von der Plattform „Kehrenbürger“ der Berliner Stadtreinigung. Hier kann man nach Putzaktionen in der Nähe suchen oder selber Aktionen anmelden.