Der Senat hat für Berlin eine neue Chefanklägerin ernannt. Er stimmte am Dienstag dem Vorschlag von Justizsenator Dirk Behrendt (Grüne) zu, Margarete Koppers zur Generalstaatsanwältin zu berufen. Bislang ist Koppers Vize-Präsidentin der Berliner Polizei; am 1. September soll die 54-Jährige ihr Amt antreten. Allerdings droht ihr selber ein Ermittlungsverfahren. Polizisten klagen, sie habe sich nicht ausreichend um die Gesundheitsgefahren auf den Berliner Schießständen der Polizei gekümmert. Und das ist nicht der einzige Grund, warum die Personalie so umstritten ist.

Als Vize-Präsidentin wurde sie zunächst gefeiert

Das war nicht immer so. Als Margarete Koppers im März 2010 vom damaligen SPD-Innensenator Ehrhart Körting zur Vize-Präsidentin der Berliner Polizei bestimmt wurde, war das eine kleine Sensation. Eine Frau in der Polizeiführung gab es bisher nicht. Gleichstellungsbeauftragte und Frauenpolitikerinnen waren begeistert. Viele Polizisten waren von Koppers angetan; auch deshalb, weil sie nicht die spröden Umgangsformen des Polizeipräsidenten Dieter Glietsch pflegte.

Bis dahin war sie Vize-Präsidentin des Landgerichtes. Als Glietsch 2011 pensioniert wurde, leitete sie sogar kommissarisch die Polizei. Koppers hatte sich schnell eingearbeitet, sie setzte sich in der von Männern dominierten Welt der Polizisten durch. Und doch blieb sie nur die Vize-Präsidentin – auch unter Klaus Kandt, der Glietsch Ende 2012 folgte.

Am Dienstag erklärte Justizsenator Behrendt, Berlin bekomme nun „eine unerschrockene und tatkräftige“ Generalstaatsanwältin. Wenn in den nächsten zwei Wochen niemand dagegen klagt, kann Koppers im September den Dienst antreten.

Ermittlungen gegen die Polizeiführung

Koppers’ Wahl geht ein Gezerre um die Auswahlkommission voraus. Behrendt hatte die von seinem CDU-Vorgänger ernannten Mitglieder des Gremiums ausgetauscht, weshalb die CDU Parteifilz vermutet. CDU-Fraktionschef Florian Graf spricht von „Missachtung der parlamentarischen Gepflogenheiten“. Auch die Personalvertretung fühlte sich nicht ausreichend beachtet.

Und dann gibt es eben noch die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft gegen die Polizeiführung wegen der sogenannten Schießstandaffäre. Zahlreiche Schießstände der Polizei sind wegen maroder Lüftungstechnik geschlossen, weil Trainer und Polizisten über Gesundheitsprobleme klagen.

Koppers wird von Personalräten, Trainern und Berufsverbänden bezichtigt, die Missstände gekannt, aber nichts dagegen unternommen zu haben. Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen des Anfangsverdachts der Körperverletzung. „Im Rahmen dieses Verfahrens müssen wir auch prüfen, ob Verantwortliche wie Frau Koppers oder Herr Glietsch strafbar gehandelt haben“, sagt Martin Steltner von der Staatsanwaltschaft. Dafür sei jedoch zu klären, ob die Schießstände überhaupt ursächlich für die Gesundheitsschäden seien. Justizsenator Behrendt hat damit kein Problem: „Das ist für uns keine Neuigkeit und war Gegenstand der Abwägungsentscheidung“, teilte er über Twitter mit.

Kandt stellte sich demonstrativ hinter sie

Angesichts der Vorwürfe musste sich Polizeichef Klaus Kandt im März demonstrativ hinter seine Stellvertreterin stellen. Koppers sei mit diesen Themen hoch verantwortlich umgegangen, sagte er. Und er setzte sogar hinzu: „Ich kann mir keine bessere Partnerin in der Führung der Behörde vorstellen.“

Dabei soll es gerade zwischen dem CDU-Mann Kandt und Koppers, die als den Grünen nahe stehend gilt, immer wieder Streit geben. Es krisele zwischen beiden, wird kolportiert. Angeblich, weil Koppers gern selbst Präsidentin wäre – und weil es im vergangenen Jahr Streit im Umgang mit dem Autonomenprojekt Rigaer Straße gegeben habe. Koppers gilt als ruhig und freundlich, aber sehr entschieden – andere sagen beratungsresistent. Koppers wird auch verantwortlich gemacht für familienfeindliche und krank machende Arbeitszeitregelungen; sie habe Hinweise von Personalvertretern ignoriert, lautet die Kritik. Vielleicht aber ärgern sich hier auch nur Macht-Männer über die Macht-Frau.

Vergiftete Statements aus der Gewerkschaft

Aus den Querelen um das Besetzungsverfahren halten sich die Polizeigewerkschaften offiziell raus. Aber sie und auch manch hochrangiger Polizeiführer sind froh, dass Koppers geht. Entsprechend vergiftet fallen die Statements der Gewerkschaften aus: „Wir sind sehr froh, dass Frau Koppers eine neue Aufgabe für sich gefunden hat, sie hat es sich verdient“, sagt Kerstin Philipp von der Gewerkschaft der Polizei. „Es ist kein Geheimnis, dass wir mit ihren Entscheidungen bei der Umgestaltung unserer Polizei und beim Umgang mit dem Personal nicht immer einverstanden waren und im Interesse unserer Kollegen eher andere Wege eingeschlagen hätten. Wir wünschen ihr alles Gute.“ Nicht anders klingt die Deutsche Polizeigewerkschaft: „Ich hoffe, dass die Zusammenarbeit zwischen Polizei und Staatsanwaltschaft besser wird“, sagt Landeschef Bodo Pfalzgraf.

Michael Böhl vom Bund deutscher Kriminalbeamter sagt: „Frau Koppers hat sehr viel für das Vorankommen von Frauen in der Behörde getan.“ Negativ sei ihr anzurechnen, dass sie den Arbeitsschutz offensichtlich nicht so ernst genommen und die Missstände auf den Schießständen nicht schnell genug angepackt habe. „Ihre Fähigkeiten als Staatsanwältin muss sie erst noch zeigen.“