BerlinSie besitzt zwar daheim weder Hund noch Katze. Aber Kathrin Herrmann hat dennoch ein großes Herz für Tiere. Seit 2017 lehrt und forscht die Veterinärmedizinerin an der US-amerikanischen Johns-Hopkins-Universität. Nun hat Justiz- und Verbraucherschutzsenator Dirk Behrendt (Grüne) Herrmann zur neuen Berliner Tierschutzbeauftragten berufen. Ihr Amt will sie dazu nutzen, dass in den Laboren der Hauptstadt nicht mehr an und mit Tieren experimentiert wird.

Noch vor Wochen forschte Herrmann in Baltimore nach Alternativen zu Tierversuchen. Sogar ein Buch hat die Fachärztin darüber geschrieben. „Daher wird der politische Schwerpunkt in meinem neuen Amt sein, dass Berlin eine tierversuchsfreie Stadt wird“, sagt sie.

Herrmann weiß: Noch gilt Berlin als Hauptstadt der Tierversuche in Deutschland. Mäuse, Ratten oder Fische – an über 223.000 Tieren forschen Institutionen oder Labore von Universitäten (Stand 2018). Das sind zehn Prozent aller bundesweiten Tierversuche, erklärt sie. In ihrer Zeit beim Landesamt für Gesundheit und Soziales (LaGeSo) musste Herrmann die Anträge dafür rechtlich und wissenschaftlich prüfen. Sicherlich seien solche Forschungen wichtig. „Aber nicht immer sind sie notwendig“, sagt Herrmann. „In der Fachwelt weiß man inzwischen, dass nicht jeder Impfstoff, der bei Tieren funktioniert, auch bei Menschen zum gewünschten Ziel führen muss.“

Es gibt bereits Alternativen zu den Tierversuchen, die das Leiden der Labortiere und deren Tod verhindern könnten, erklärt Berlins neue oberste Tierschützerin. So könne man etwa mit Computermodellen die Wirksamkeit von Präparaten genau so gut testen, so Herrmann. „Es ist gut, dass die Tierversuche in Berlin um 20 Prozent zu den Vorjahren zurückgegangen sind. Damit der Trend sich fortsetzt, werde ich aber noch viel Überzeugungsarbeit leisten müssen.“ Mit der Thematisierung in der Öffentlichkeit und mit dem nötigen politischen Druck könne man den Tierversuchen ein Ende setzen, erklärt Herrmann. Als Beispiel nennt sie die Kosmetik-Industrie, die nun andere Wege beim Testen ihrer Produkte auf Verträglichkeit beim Menschen gehen muss. Denn seit 2013 sind in der EU Tierversuche für Kosmetika verboten.

Oberste Tierschützerin befürwortet Gassi-Pflicht

Die neue Tierschutzbeauftragte hat auch die Berliner Tierbesitzer im Blick. So befürwortet sie die vom Bund geplante tägliche Gassi-Pflicht, die Hundehalter dann einhalten müssen, wenn das dafür entsprechende Gesetz 2021 in Kraft treten sollte. Für Hunde sei längere Bewegung im Freien enorm wichtig, so Herrmann. In diesem Zusammenhang will sie sich für mehr Auslaufgebiete einsetzen, von denen es in Berlin bereits 39 gibt. Auf ihrer Aufgabenliste steht als weiterer Punkt der Kampf gegen den illegalen Handel mit Hundewelpen oder Katzenjungen. Wie ihre Vorgängerin Diana Plange, die in den Ruhestand ging, will sich auch die neue Tierschutzbeauftragte für ein Auftrittsverbot von Zirkussen einsetzen, die Wildtiere zeigen.

Aufgewachsen in der Nähe von Ulm, rettete Herrmann vor ihrem Studium in Berlin Tiere. „Ich habe Hunde, Katzen oder Kaninchen gepflegt, die keiner mehr haben wollte oder die getötet werden sollten“, sagt sie. Seit Jahren kommt bei Herrmann auch kein Fleisch mehr auf den Tisch. „Ich bin Veganerin. Es geht nicht, dass man einige Tiere liebt und andere isst.“