Zeugenvorladungen in amtlichen Briefumschlägen flattern ins Haus, versehen mit unverständlichen Rechtsbehelfsbelehrungen. Telefonische Nachfragen nach dem zuständigen Staatsanwalt landen im Nirwana. Und gibt es für die Kopfwunde, die man durch den Überfall auf offener Straße erlitten hat, ein Schmerzensgeld?

Verbrechensopfer haben viele Fragen, „und manche sind zusätzlich völlig durch den Wind“, berichtet Helmut Rüster von der Opferhilfeorganisation Weißer Ring. Die Situation nach einem Verbrechen sei psychisch oft sehr belastend.

Beauftragter soll Behörden beraten

Berlins Justizsenator Thomas Heilmann (CDU) will den bestehenden Hilfsangeboten für Kriminalitätsopfer deshalb eines hinzufügen: Er schreibt die Stelle eines ehrenamtlichen Opferbeauftragten aus. Die Position soll an die Senatsjustizverwaltung angebunden und im Spätsommer besetzt werden. Der Beauftragte soll keine neue Beratungsstelle darstellen, von denen es in Berlin mit dem Weißen Ring, der Opferhilfe und den Hilfsangeboten der Berliner Polizei für Kriminalitätsgeschädigte bereits etliche gibt. Heilmann will, dass der Beauftragte vor allem „wie ein Lotse agiert“. Er soll Opfern helfen, die für sie zuständigen Stellen im Behörden-Dickicht einfacher und schneller zu finden.

Über den Einzelfall hinaus soll der Opferbeauftragte mit der Zeit ein Netzwerk in der Justizverwaltung sowie mit den bestehenden Hilfeeinrichtungen aufbauen und koordinieren. Dafür sollen in den einzelnen Justizbehörden und Gerichten zentral für den Opferschutz zuständige Richter und Staatsanwälte eingesetzt werden, die dort als Ansprechpartner dienen.

Der Beauftragte soll außerdem Behörden in Sachen Opferschutz beraten und dem Parlament einmal im Jahr einen Bericht zur Lage der Opfer von Straftaten erstatten.

Ein falsches Signal

Helmut Rüster vom Weißen Ring findet das Vorhaben gut. „Alles, was den Opfern hilft, ist im Prinzip zu begrüßen“, sagte er. Ähnlich äußerte sich die Berliner Polizei. Allerdings hält Rüster nichts davon, dass der neue Beauftragte ehrenamtlich wirken soll. Der Justizapparat setze hauptamtliche Profis zur Ermittlung und Aburteilung von Straftätern ein, deshalb könnten auch die Opfer von Straftaten erwarten, dass der Staat sich ihrem Schicksal mit hauptamtlichen Kräften widmet. Es sei ein falsches Signal, auf der Opferseite auf Ehrenamtliche zusetzen. „Da sind die Waagschalen ungleich“, sagte Rüster.

Heilmanns Sprecherin Lisa Jany sieht das Problem nicht. Der Beauftragte werde kompetent sein, erwartet werden unter anderem gründliche Kenntnisse des Strafverfahrens, der rechtlichen Grundlagen des Opferschutzes und Erfahrung in der Arbeit mit Opfern. Zudem erhalte er ein Auskunftsrecht gegenüber den Strafverfolgungsbehörden und ein unmittelbares Vortragsrecht beim Justizsenator. Bewerber(innen) können sich bis zum 12. August bei der Senatsverwaltung für Justiz und Verbraucherschutz melden.

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Das Angebot im Internet: http://www.berlin.de/sen/justiz/stellenausschreibung/index.html