Berlins Regierender Bürgermeister Michel Müller (SPD) reagiert überrascht auf Antisemitismus-Vorwürfe gegen seine Person. Nach einem Bericht der englischsprachigen Zeitung Jerusalem Post von vor drei Tagen erwägt das Simon-Wiesenthal-Zentrum Müllers Namen auf eine Liste der schlimmsten antisemitischen und antiisraelischen Vorfälle dieses Jahres zu setzen. Auch wir haben darüber berichtet. Nun wehrt sich Müller. „Diese Vorwürfe sind absurd“, sagt der Regierende Bürgermeister.

Judenhass? „Der Vorwurf trifft uns insgesamt. Gerade in einer Stadt wie Berlin ist man sich der besonderen Verantwortung bewusst. Das gilt für jedes Senatsmitglied und erst Recht für den Regierenden Bürgermeister“, sagt Müller. Die Reaktion aus der Senatskanzlei ist noch sehr vorsichtig. Offenbar weiß man dort noch nicht so genau, was die beste Reaktion auf die Berichte wäre. Ist der Regierende Bürgermeister der Bundeshauptstadt tatsächlich in einer Situation, in der er sich rechtfertigen sollte? Immerhin verspricht er, sich mit den Vorwürfen eingehend zu beschäftigen.

Das in Los Angeles in den USA ansässige Simon-Wiesenthal-Zentrum veröffentlicht jedes Jahr im Dezember eine Liste mit den zehn schlimmsten antisemitischen und antiisraelischen Verunglimpfungen. Laut Jerusalem Post könnte Müller auf dieser Liste aus zwei Gründen landen. Zum einen weil er sich anders als Bürgermeister in Frankfurt am Main und München nicht deutlich von der antiisraelischen Boykottkampagne BDS gegen das Pop-Kultur-Festival in der Kulturbrauerei distanziert. Zum anderen fehlten klare Worte von ihm gegen die jährlich in Berlin stattfindende antiisraelische Al Kuds Demonstration.